BM Schmied: "Die neue Reifeprüfung bringt mehr Qualität und Vergleichbarkeit"

Zentrales Projekt der Bildungsreform im Nationalrat beschlossen

Wien (OTS) - Heute hat der Nationalrat der Einführung der standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung zugestimmt. Die dafür notwendige Novelle des Schulunterrichtsgesetzes wurde beschlossen. Die erste österreichweite standardisierte Reifeprüfung kann an den AHS im Schuljahr 2013/14 durchgeführt werden. Die berufsbildenden höheren Schulen werden im darauffolgenden Schuljahr starten.

"Heute ist ein guter Tag für das Bildungsland Österreich. Ein wichtiger Bildungsreform-Schritt ist geglückt. Ich danke dem Nationalrat für die notwendige Zustimmung zu diesem zentralen Regierungsprojekt und speziell ÖVP-Bildungssprecher Werner Amon für die konstruktive Zusammenarbeit. Die neue Reifeprüfung garantiert, dass Maturanten auch tatsächlich jene Kompetenzen beherrschen, die für ein Studium oder auf dem Weg in die Wirtschaft notwendig sind. Sie ist ein Gütesiegel und ein Qualitätssicherungsinstrument. Die Reifeprüfung wird vom Neusiedlersee bis zum Bodensee gleich viel wert sein und Vergleiche ermöglichen", so Bildungsministerin Claudia Schmied.

Die neue Reifeprüfung besteht aus drei Säulen: Standardisierte schriftliche Klausuren, verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit und mündliche Prüfungen.

Standardisierte Klausuren:
Zu einem bundesweit einheitlichen Termin treten alle Schüler zu österreichweit standardisierten, schriftlichen, kompetenzorientierten Klausuren an: Die Klausuren in Deutsch, Mathematik (unter Berücksichtigung der lehrplanmäßigen Anforderungen), Englisch und den wesentlichen lebenden Fremdsprachen werden zentral vorgegeben, ebenso wie in Latein und Griechisch. Jeder Schüler muss entweder 3 oder 4 schriftliche Prüfungen ablegen, je nachdem ob er 2 oder 3 mündliche Prüfungen absolvieren möchte. Bei 3 Prüfungen tritt der Schüler nur in Deutsch, Mathematik und einer lebenden Fremdsprache an. Bei 4 Klausuren kann zu den drei verpflichtenden Fächern zusätzlich in einer weiteren Fremdsprache, Darstellender Geometrie, Biologie und Umweltkunde, Physik, einem schulautonomen klausurfähigen Pflichtgegenstand (zB. Informatik) oder in einer Schwerpunkt-Klausur (zB. Musikkunde) angetreten werden. Die Arbeiten werden am Schulstandort vom Lehrer nach einem einheitlichen Korrekturschlüssel benotet. Die Ergebnisse sind somit österreichweit vergleichbar.

Eine negative Note bei einer Klausur kann entweder durch ein erneutes Antreten oder durch eine mündliche Prüfung kompensiert werden. Bei einer mündlichen Kompensations-Prüfung werden in den standardisierten Prüfungsgebieten die Fragen allerdings zentral vorgegeben.

Vorwissenschaftliche Arbeit:
Jeder Schüler muss in Zukunft bereits bis zum Ende der siebten Klasse in Absprache mit seinem Lehrer das Thema einer vorwissenschaftlichen Arbeit für seine Reifeprüfung wählen. In einem Fach seiner Wahl muss der Schüler diese Arbeit während der achten Klasse vor dem Reifeprüfungstermin erarbeiten und somit seine Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten und seine Studierfähigkeit unter Beweis stellen. Die fertige Arbeit wird dann im Rahmen der Reifeprüfung -ähnlich wie bei Prüfungen auf der Universität - vom Schüler mündlich präsentiert. Vom Umfang her wird die vorwissenschaftliche Arbeit zwischen 4500 und 6000 Worte umfassen.

Mündliche Prüfungen
Jeder Schüler tritt zusätzlich zu den schriftlichen Klausuren in 2 oder 3 mündlichen Prüfungen an. Die Aufgabenstellungen der mündlichen Prüfungen werden nicht zentral vorgegeben, sondern bleiben in der Kompetenz des prüfenden Lehrers. Die Lehrer sind verpflichtet, am jeweiligen Standort im Rahmen von Fachkonferenzen bis zu maximal 24 Themenbereiche pro Fach kompetenzorientiert auszuarbeiten und den Schülern vorzulegen.

Zusätzlich gilt:
Um der Schwerpunktsetzung an Schulen auch in Zukunft einen hohen Stellenwert zu geben, müssen Schüler von Schwerpunkt-Schulen den Schulschwerpunkt entweder im Rahmen der vorwissenschaftlichen Arbeit, einer schriftlichen Klausur oder der mündlichen Prüfung wählen. Diese Maßnahme leistet einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung der schulautonomen Schwerpunkte und gymnasialen Sonderformen.

Zur begleitenden Evaluation der neuen Reifeprüfung wird eine Bundesreifeprüfungs-Kommission mit beratender Funktion eingerichtet. Sie setzt sich aus Schulpartnern, aus Vertretern der Landesschulräte, der Universitätskonferenz, des Wissenschaftsministeriums und Experten zusammen. Den Vorsitz führt die Bundesministerin.

Außerdem wurde mittels eines Entschließungsantrages die begleitende Evaluierung der neuen Reifeprüfung nach jedem Durchgang in Form eines Berichtes an den Nationalrat festgelegt wird.

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Nikolaus Pelinka
Tel.: (++43-1) 53 120-5030

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