Kooperationen im Gesundheitswesen: Erfolgsfaktor für Effizienz und medizinische Qualität

Zukunftsdialog der Vinzenz Gruppe am 20. Oktober 2009, Linz

Linz (OTS) - Expertenrunde rund um Dr. Schelling und Dr.
Melitopulos ist sich bei Diskussionsveranstaltung der Vinzenz Gruppe einig: Im österreichischen Gesundheitssystem besteht sehr hoher Reformbedarf. Kooperationen sind ein wichtiger Baustein zur langfristigen Sicherung der Gesundheitsversorgung. Die derzeit herrschenden Rahmenbedingungen bedürfen jedoch noch Adaptierungen, um langfristige Erfolge zu ermöglichen.

Führen Kooperationen im Gesundheitswesen langfristig zum wirtschaftlichen Erfolg? Und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Wer profitiert davon? Welche Best-Practice Beispiele gibt es? Welche Rahmenbedingungen schafft der Gesetzgeber, damit Kooperationen möglich und auch erfolgreich sind?
Diesen und vielen weiteren Fragen stellte sich gestern Abend ein hochkarätiges Podium beim Zukunftsdialog der Vinzenz Gruppe im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Dr. Andreas Krauter, Geschäftsführer des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Linz, Mag. Peter Ausweger, kaufmännischer Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz, Dr. Arno Melitopulos, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, Mag. Dr. Hans Jörg Schelling, Vorsitzender des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und Dr. Julia Röper-Kelmayr, SPÖ Landtagsabgeordnete in Oberösterreich waren sich vor allem bei einem Punkt einig: Bei allen Überlegungen muss die Steigerung der Qualität für die Patientinnen und Patienten im Vordergrund stehen.

Die derzeit herrschenden Rahmenbedingungen bieten kaum Anreize für die Bildung von Kooperationen: Ein nicht vorhandener Druck der öffentlichen Hand - weder von Bund, noch von den Ländern oder Gemeinden -, kaum absehbare, finanzielle Vorteile für die Träger unterschiedlicher Einrichtungen und vor allem die menschliche Komponente machen Kooperationen derzeit noch zu Pionierleistungen. Die intensive Zusammenarbeit des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern und des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Linz ist ein Vorzeigeprojekt in diesem Bereich. "Eine Win-Win Situation kann nur dann für beide Träger geschaffen werden, wenn gegenseitiges Vertrauen besteht und der Mehrwert auch fair verteilt wird. Kooperation und Konkurrenz zu managen, braucht Mut und zukunftsweisendes Denken. Das haben wir mit Umsetzung unserer Kooperation bewiesen", so Mag. Ausweger, Kaufmännischer Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz zur erfolgreichen Kooperation der beiden Häuser in Linz.

Damit die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern aber auch mit Gesundheitseinrichtungen im extramuralen Bereich für die Träger attraktiver wird, müssen grundsätzlich umfangreiche Änderungen stattfinden. Dr. Arno Melitopulos sieht vor allem auch Herausforderungen bei der allgemeinen Systematik der Gesundheitsstruktur: "Unterschiedliche Rahmenbedingungen, die Finanznot der Systempartner, die 15a-Vereinbarung oder auch die Kompetenzvielfalt machen zukunftsweisende Modelle wie Kooperationen schwierig. Ein integrierter Ansatz wird jedoch im Hinblick auf den Österreichischen Strukturplan angestrebt. Diese Idee schlägt sich im Besonderen in der integrierten Planung im stationären und ambulanten Bereich und in Modellregionen nieder."

Zahlreiche Probleme sieht auch Dr. Schelling auf das österreichische Gesundheitssystem zukommen: "Wenn sich nicht bald etwas ändert, dann wird spätestens in fünf Jahren das System aufgrund der mangelnden Finanzierbarkeit kollabieren." Für den Vorsitzenden des Verbandsvorstandes im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger steht dabei vor allem das Problem der Ineffizienz im Vordergrund. Aus seiner Sicht sind die derzeit in Summe rund 27 Mrd. Euro, die in Österreich jährlich für Gesundheit ausgegeben werden, ausreichend. Verschiedene Töpfe, aus denen die unterschiedlichen Leistungen finanziert werden, mangelnde Transparenz, das Fehlen von Qualitätsstandards und auch die mangelnde Kompatibilität unterschiedlicher EDV-Systeme müssten aus seiner Sicht dringend beseitigt werden. Darüber hinaus fordert Schelling eine Steuerung für eine verbindliche Ergebnisqualität.

Dr. Julia Röper-Kelmayr, Oberärztin im AKH Linz und Vertretung von Gesundheitslandesrätin Dr. Silvia Stöger sieht noch keine akute Gefahr für das Gesundheitssystem und appelliert auch an die unterschiedlichen Träger: "Die Länder können Kooperationen unterstützen. Die Initiative muss jedoch von den Trägern selbst ausgehen."

Dr. Andreas Krauter ergänzt: "Die Kooperation zwischen den Barmherzigen Brüdern und den Barmherzigen Schwestern in Linz wurde bereits vor mehr als zehn Jahren gestartet. Dabei war uns immer eines wichtig: ein "Mehr" für die Patienten zu schaffen. Dass wir dies durch unser Gemeinschaftsprojekt geschafft haben und darüber hinaus Einsparungen in der Größenordnung von rd. 4,5 Mio. Euro erzielen konnten, zeigt, dass derartige Kooperationen sehr gut funktionieren können - aber nur dann, wenn beide Kooperationspartner unermüdlich an einem Strang ziehen. Es sollte aber auf systemischer Seite noch einiges gemacht werden, damit derartige Projekte nicht zum Einzelfall, sondern zur Regel werden."
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