Wasserkraft muss eine Zukunft haben!

Österreichs wichtigste nachhaltige Energieressource braucht sinnvolle Regelungen

Wien (OTS) - Aktuell liegt der Entwurf zum Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) vor, mit dem die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) in eine entscheidende Phase tritt. Die österreichische Auslegung lässt jedoch befürchten, dass es zu massiven und unnötigen Einbußen im Bereich der für Österreich eminent wichtigen Stromerzeugung aus Wasserkraft kommen könnte. Andererseits hat Österreich ambitionierte Ziele im Bereich erneuerbare Energie zu erfüllen - ebenfalls durch eine EU-Richtlinie untermauert. Die Erreichung dieser Ziele gerät zusehends in Gefahr. Die österreichische E-Wirtschaft und die heimische Kleinwasserkraftbranche können auf beispielgebende Projekte verweisen, die belegen, dass Wasserkraftnutzung und der gute Zustand der Gewässer vereinbar sind.

Seit Jahrzehnten ist Österreich stolz darauf, den Großteil des Stroms aus erneuerbaren Energien produzieren zu können. Wasserkraft spielt dabei die Hauptrolle, erklärte die Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) Barbara Schmidt: "Wasserkraft hat derzeit einen Anteil von rund 60 Prozent an der Stromproduktion." Rund 5,5 Milliarden Kilowattstunden (1 Mrd. kWh ist eine Terawattstunde, TWh), also zirka 14 Prozent der Wasserkraft und rund 9 Prozent gemessen am österreichischen Gesamtstromverbrauch, kommen dabei aus der Kleinwasserkraft (Wasserkraftanlagen mit weniger als 10 MW Leistung), so der Präsident von Kleinwasserkraft Österreich, Christoph Wagner.

Niederösterreich unterstützt Wasserkraftausbau

Das Land Niederösterreich setzt mit einer Vielzahl von Aktionen auf den Ausbau der regenerativen Energien. "Um in den nächsten Jahren die Energiewende zu schaffen, müssen wir konsequent die erneuerbaren Energiequellen forcieren. Das größte Potenzial liegt sicherlich in der Photovoltaik und in der Windkraft. Aber auch bei der Wasserkraft, und da in erster Linie bei der Kleinwasserkraft, sind in Niederösterreich Möglichkeiten vorhanden", erklärte Umwelt- und Energielandesrat Stephan Pernkopf. Durch energetische und ökologische Maßnahmen könne die Stromerzeugung in Kleinkraftwerken noch optimiert werden. Pernkopf: "Das Land Niederösterreich unterstützt Maßnahmen in diese Richtung und hat eigene Förderprogramme ausgearbeitet".

Um die Ziele des EU-Klimapakets erfüllen zu können, muss Österreich außergewöhnliche Anstrengungen unternehmen. Gilt es doch, den Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch von derzeit knapp 24 auf 34 Prozent zu steigern. Möglich ist das:
Österreich verfügt noch über hohe Potenziale aus erneuerbaren Energiequellen. Gelingt es, diese Zusatzpotenziale bis 2020 zu nutzen, steigt damit die Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien um 14,3 Milliarden Kilowattstunden. Das Ausbaupotenzial beinhaltet zu zirka 50 Prozent Wasserkraft.

Sanierung der Gewässer darf Klimaziele nicht gefährden

Wie die Klimaziele und die Ziele für die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien erreicht werden können, wird gerade im Rahmen der Energiestrategie Österreich beraten. Schmidt: "Der parallel dazu in Arbeit befindliche NGP kann jedoch die Umsetzung dieser Ziele gefährden. Denn bei einer überschießenden Umsetzung der EU-WRRL drohen signifikante Verluste bei der Stromerzeugung aus Wasserkraft im Ausmaß von rund 2,3 Milliarden Kilowattstunden jährlich im Anlagenbestand. Das entspricht etwa zweieinhalb Mal der Stromerzeugung des Donaukraftwerks Wien-Freudenau." Ebenso wird befürchtet, dass der weitere Ausbau der Wasserkraft massiv eingeschränkt werden könnte. "Es müssen daher Lösungen gefunden werden, die beides ermöglichen, die Erreichung der Ziele der Wasserrahmenrichtlinie UND die des EU-Energie- und Klimapakets", so Schmidt.

"Die österreichische Elektrizitätswirtschaft und die heimische Kleinwasserkraftbranche bekennen sich zur Erfüllung der Ziele der WRRL beim Ausbau der Stromproduktion aus nachhaltigen Quellen", ergänzte die Geschäftsführerin von Kleinwasserkraft Österreich, Martina Prechtl. Kleinwasserkraft Österreich und der VEÖ forderten jedoch, dass zur Absicherung der Wasserkraft eine tragfähige Kosten-Nutzen-Relation eingehalten wird. Maßnahmen, die zu setzen sind, sollen an der Erreichung der Ziele ausgerichtet werden, ohne die Nutzung der regenerativen Energie Wasserkraft übermäßig und ungerechtfertigt zu beeinträchtigen.

Prechtl: "Für jede Kilowattstunde, die hier verloren geht oder nicht ausgebaut werden kann, muss sonst auf andere Weise teuer und mühevoll ein Ausgleich gesucht werden. Denn Stromimporte sind keine Lösung. Die Sicherung der Wasserkraft liegt daher im Interesse Österreichs und seiner Volkswirtschaft."

Die Forderungen des VEÖ und von Kleinwasserkraft Österreich

Bei der Umsetzung der EU-WRRL ist ein besonders sensibler Umgang mit auch bestehenden Rechten gefordert. Schmidt: "Nachträgliche Anpassungen von Anlagen an die Zielvorgaben bedeuten oftmals Energieproduktionsverluste und hohe Investitionen in Fischwanderhilfen." Umso wichtiger sind die Einhaltung der Prinzipien "Augenmaß" und "Verhältnismäßigkeit" bei allen Vorgaben. Für die Vorgaben zur Restwasserabgabe und zur Errichtung der Fischaufstiegshilfen bei Kraftwerken sind Werte und Bedingungen festzulegen, die der geübten Praxis bestehender und funktionierender Fischaufstiegshilfen entsprechen, nicht überschießend sind und mit einer sinnvollen Wasserkraftnutzung vereinbar sind.

Dazu Christoph Wagner, Präsident von Kleinwasserkraft Österreich:
"Der Nationale Gewässerbewirtschaftungsplan und seine rechtlichen Umsetzungsinstrumente müssen so gestaltet werden, dass der Bau von Kraftwerken auch in Zukunft möglich bleibt. Es darf dabei auch zu keiner Benachteiligung von Kleinwasserkraftwerken kommen, denn Wasserkraft ist für Österreich die wichtigste Energie des neuen Jahrzehnts und gelebter Klimaschutz. Wir kritisieren insbesondere, dass durch eine Vorgabe suggeriert wird, dass Kraftwerke unter 1 MW keinesfalls im öffentlichen Interesse sein können und sprechen uns gegen diese Vorwegnahme der Abwägung von Interessen entschieden aus!"

Faire Chance für Wasserkraft gefordert

Seitens des VEÖ forderte Generalsekretärin Barbara Schmidt eine faire Chance für den Bau der dringend benötigten Wasserkraftanlagen:
"Braucht es für die Errichtung eines neuen Kraftwerks auf Basis der EU-WRRL eine Ausnahmegenehmigung, so sind sämtliche öffentliche Interessen zu berücksichtigen. Dazu zählen auch das Interesse an der Produktion von Strom aus erneuerbaren Ressourcen und Beiträge zum Klimaschutz."

Fischdurchgängkeit von Kraftwerken

Österreichs E-Wirtschaft und die heimische Kleinwasserkraftbranche beweisen mit beispielhaften Anlagen wie dem Kleinwasserkraftwerk Kemmelbach bei Ybbs und dem Donaukraftwerk Melk, dass Wasserkraftnutzung und eine hohe Qualität der Gewässerökologie miteinander vereinbar sind. So sind Fischaufstiegshilfen eine wichtige Maßnahme zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Flüssen. Denn fast alle heimischen Fische führen mehr oder weniger ausgedehnte Wanderungen durch, die ungestört erfolgen müssen. Allein der Verbund hat bereits deutlich mehr als 20 Fischwanderhilfen errichtet und weitere sind in Bau. Auch zahlreiche Betreiber von Kleinwasserkraftwerken haben bereits durch die Errichtung von Fischaufstiegshilfen ihre Anlagen ökologisch verbessert. Das bedeutet natürlich beachtliche Investitionen. Eine Studie der TU Graz hat ergeben, dass österreichweit 234 Millionen Euro investiert werden müssen, um die Durchgängigkeit der Gewässer und die Einbindung der Nebenflüsse bei den bestehenden Kraftwerksanlagen herzustellen.

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