Suchtprävention: Entwicklung braucht Risikoverhalten

Jugendliche müssen in ihrer Risikokompetenz gefördert werden

Wien (OTS) - "Das Ausprobieren und das Überschreiten von Grenzen wird für Jugendliche ab der Pubertät interessant. Experimentier- und Risikoverhalten sind aus entwicklungspsychologischer Sicht normal und wichtig. Dabei loten Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten und Grenzen aus; Soziale Anerkennung, Genuss und Lust an Abenteuern sind die Bedürfnisse, die dahinter stehen", so der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel anlässlich eines Fachsymposiums des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Auch Dr. Artur Schroers, Leiter des Instituts für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination Wien, sitzt am Podium wenn es darum geht zu diskutieren, wie viel Risiko Entwicklung braucht. "In dieser Probierphase kommt es aber auch zu Risiken und manchmal zu negativen Folgen, wie zum Beispiel gefährliche Mutproben, übermäßiger Alkoholkonsum oder das Probieren gesetzlich verbotener Substanzen. Deshalb geht es in zeitgemäßer Suchtprävention auch um die Förderung von Risikokompetenz von Jugendlichen. Zeitgemäße Suchtprävention setzt beim Risikoverhalten von Jugendlichen an und zeigt Handlungsalternativen auf", erläutert Schroers.

Neuer Ansatz "Risikokompetenz"

Der relativ neue Ansatz der Risikokompetenzförderung in der Suchtprävention begleitet das Risikoverhalten der Jugendlichen in seinen positiven Aspekten und reduziert Nachteile auf ein Minimum. "Dabei werden Jugendliche in ihren Fähigkeiten, Risikosituationen zu erkennen und zu analysieren, gefördert. Sie sollen dabei ihr eigenes Risikoverhalten bewusst wahrnehmen und individuell und sozial verträglich handeln", erklärt Schroers die Methodik hinter dem Ansatz der Risikokompetenzförderung. Für dessen Umsetzung sind auch strukturelle und institutionelle Rahmenbedingungen notwendig, die diese Maßnahmen und Projekten möglich machen und unterstützen.

"Risikokompetenz heißt aber auch, die Bereitschaft und Fähigkeit zum Verzicht von Substanzkonsum in bestimmten Situationen. Das Konzept der sogenannten 'Punktnüchternheit' beinhaltet zum Beispiel die Abstinenz von Alkohol im Straßenverkehr", so Schroers. Durch die hohe Zahl an Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss ist "Punktnüchternheit" auch ein zentrales Anliegen im Rahmen der Verkehrssicherheit.
Risikokompetenz umfasst das Problembewusstsein durch Information über die Wirkungen von Suchtmitteln und deren Risiken; eine kritische Einstellung gegenüber legalen und illegalen Suchtmitteln; den Verzicht auf bestimmte Suchtmittel; die Bereitschaft und Fähigkeit zum konsequenten Konsumverzicht ("Punktnüchternheit") in bestimmten Situationen, Lebensräumen und Entwicklungsphasen; das Entwickeln von Regeln für einen genussorientierten und maßvollen Konsum sowie das Beherrschen von Sicherheitsregeln, die sowohl das persönliche Risiko als auch jenes für die Umwelt mindern.

Suchtpräventive Outdoorwochen fördern Risikokompetenz von Jugendlichen

Ein Beispiel für ein Projekt, das den Ansatz der Risikokompetenz verfolgt, sind die suchtpräventiven GrenzGang-Outdoorwochen für Wiener Schulklassen. Das Institut für Suchtprävention der Sucht- und Drogenkoordination und die Freiraum GmbH haben GrenzGang-Outdoorwochen gemeinsam entwickelt. Jede Klasse arbeitet mit zwei qualifizierten Outdoor-TrainerInnen, die eine Zusatzausbildung in Suchtprävention haben. "Diese Wochen fördern durch erlebnispädagogische Übungen das Wahrnehmen und Beurteilen von riskanten Situationen. Durch spannende Herausforderungen wie etwa in Hochseilgärten lassen sich die Jugendlichen auf Neues und Unvorhersehbares ein und erweitern damit spielerisch ihren Erfahrungsschatz", erläutert Dr. Schroers. Reflexionen und Gespräche erleichtern die "Übersetzung" der Erfahrungen in den Alltag; Lernen passiert ganzheitlich in einem gesicherten Rahmen. "Die Auseinandersetzung mit dem Thema Risiko hilft jungen Menschen - auch im Kontext von Suchtmitteln - selbst zu entscheiden und Verantwortung zu übernehmen", so der Wiener Drogenkoordinator Dressel zu diesem Projekt. (Schluss) hrh

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