Heinisch-Hosek: Die Landwirtschaft wird weiblich

Frauen auf dem Land stehen vor besonderen Herausforderungen

Wien (OTS) - "Der Agrarsektor verändert sich, fast jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb wird heute schon von einer Frau geführt", eröffnete Frauenministerin Heinisch-Hosek die Diskussion über die Lebenssituation der Bäuerinnen in Österreich, zu der sie gestern Abend ins Palais Dietrichstein geladen hatte. Die Herausforderungen für die Bäuerinnen seien wohl ähnlich wie für alle Frauen: Sie verdienen weniger als Männer, sie haben Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, und sie haben es schwer, in Führungspositionen aufzurücken. "Denn je größer der Hof, desto eher wird er vom Bauern geführt", sagte die Ministerin. Auch in den Standesvertretungen fänden die Frauen selten den Weg zur Spitze. In Österreichs Landeslandwirtschaftskammern gebe es keine einzige Präsidentin, nur drei Vizepräsidentinnen, wie überhaupt sich in den Führungsgremien nur 15 Prozent Frauen fänden.

Am Podium diskutierten darüber Gerhard Wlodkowski, der Präsident der österreichischen Landwirtschaftskammer, Anna Höllerer, die Bundesbäuerin und Vorsitzende der ARGE Bäuerinnen, Elisabeth Loibl von der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, weiters die Biobäuerinnen und Direktvermarkterinnen Marianne Fuchsluger und Elisabeth Hofer-Falkinger. Irmi Salzer von der österreichischen Bergbauernvereinigung "Via Campesina" moderierte die spannende Diskussion.

Anna Höllerer sprach sich wie die Ministerin für mehr Frauen in den bäuerlichen Führungsgremien aus: "Da müssen wir über Quoten reden." Die Frauen bräuchten auch mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung, "gerade im ländlichen Raum klaffen große Lücken bei der Unterbringung der Unter-Dreijährigen und die Öffnungszeiten der Kindergärten sind zu wenig flexibel", so Höllerer. "Es ist gar nicht so romantisch, wenn die kleinen Kinder immer bei der Arbeit mit dabei sind, es ist ganz im Gegenteil anstrengend und oft sehr gefährlich."

Thematisiert wurden auch die Probleme der Direktvermarktung. Rund ein Drittel aller landwirtschaftlichen Betriebe seien heute Direktvermarkter, dafür seien bei 90 Prozent der Bauernhöfe die Frauen verantwortlich. "Sie haben die Innovationen auf den Hof gebracht und damit rund 60.000 Arbeitsplätze geschaffen", so Bundesbäuerin Höllerer. Doch hohe Abgaben und strenge Hygienevorschriften machen es den Frauen schwer, ein Drittel der Frauen denkt Studien zufolge ans Aufhören. Die Direktvermarkterinnen forderten daher Kleinerzeugerregelungen und prangerten das Diktat der neoliberalen Wirtschaftsform an, das kleine bäuerliche und große gewerbliche Betriebe über einen Kamm schere.

Kammerpräsident Wlodkowski betonte: "Wir stehen in Konkurrenz zu gewerblichen Betrieben, es besteht keine Chance, dass an den Vorschriften etwas zurückgefahren wird." Die Direktvermarkterinnen und Direktvermarkter müssten sich professionalisieren, damit die Arbeit sich weiterhin rentiere.

Die Frauenministerin dankte für die Anregungen aus der Diskussion und lud zum Ausklang zum bäuerlichen Bio-Buffet.

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Mag. Dagmar Strobel
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