"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ein Nobelpreis für Visionen" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 10. Oktober 2009

Innsbruck (OTS) - Der Friedensnobelpreis für Barack Obama soll ein politisches Signal für die Hoffnung sein - Enttäuschungen nicht ausgeschlossen.

Bisher wurde der Friedensnobelpreis fast immer für mehr oder minder herausragende, aber schon geleistete Friedensinitiativen vergeben. Die Entscheidung, den gerade einmal neun Monate im Amt befindlichen US-Präsidenten Barack Obama auszuzeichnen, ist jedenfalls gewagt. Möglicherweise aber auch viel zu verfrüht.

Obama hat den Wahlkampf mit seinem charismatischen Auftreten und Slogans wie "Change" und "Yes, we can" gewonnen. Und er trat ein Amt an, das nicht schwieriger sein könnte: mitten in der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise, explodierenden Defiziten und einem nach den Bush-Jahren am Boden liegenden Image der USA in aller Welt.

Polit-Popstar Obama hat eine Reihe von großen Auftritten mit bemerkenswerten und visionären Reden hingelegt. Er machte Vorstöße für eine atomwaffenfreie Welt und signalisierte die Bereitschaft zur Öffnung gegenüber den islamischen Ländern. Und er gab endlich die widersinnige Blockadehaltung der USA beim Klimaschutz auf.

Ausgezeichnet wurden vom Nobelpreis-Komitee weniger Obamas bisherige Friedenstaten. Denn es ist nach wie vor Krieg im Irak und in Afghanistan (dorthin sollen sogar 40.000 zusätzliche Soldaten geschickt werden). Keine einzige Atomwaffe wurde seit Obamas Rede zerstört. Und niemand weiß, in welche Dimension sich etwa die Atomkonflikte mit dem Iran und Nordkorea noch auswachsen. Den Friedensnobelpreis gibt es für Visionen und die auf den mächtigsten Mann fokussierte Hoffnung, dass die Welt durch ihn doch friedlicher wird.

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