DER STANDARD - Kommentar "Was die Prölls wollen" von Michael Völker

Den einen drängt es in die Hofburg, der andere hat ein längerfristiges Ziel: 2013 - Ausgabe vom 3./4. Oktober 2009

Wien (OTS) - Statt eines herzhaften "Freundschaft" rufen sich die Genossinnen und Genossen derzeit "Beileid" zu, wenn sie einander auf der Straße begegnen. Dabei könnten sie Aufmunterung vertragen. Sie tragen schwer an der Serie von Niederlagen, die mit der Schlappe in Oberösterreich wieder einen Höhepunkt fand. In Deutschland haben die Funktionäre wenigstens Aussicht auf personelle Veränderung an ihrer Spitze, da macht sich fast schon Aufbruchsstimmung breit.
In Österreich: Lethargie nach dem Schock. Werner Faymann predigt zwar unverdrossen Optimismus, aber das klingt schon so sehr nach Durchhalteparolen, dass es sich aufs rote Gemüt schlagen könnte. Die Ankündigung, einen Kurs schärfen zu wollen, von dem die meisten noch nicht einmal wissen, dass es ihn gibt, wird nicht ausreichen, um die Sozialdemokraten dort abzuholen, wo sie sind. Am Boden.
Die Freunde in der Volkspartei waren auf die Situation besser vorbereitet: Dass es eine Schlappe für die SPÖ setzen würde, war klar, und je schlimmer, desto aufrichtiger konnte man kondolieren. Dass es selbst noch ein wenig aufwärts ging, war in Oberösterreich eine nette Draufgabe der Wähler. Aber bis auf einzelne Gefühlsausbrüche blieb der Jubel verhalten: Die Repräsentanten der ÖVP hielten sich daran, was vereinbart worden war: kein Triumphgeheul, kein Spott, keine Verhöhnung. Der Gegner, mit dem man eine Regierung teilt, liegt ohnedies am Boden, da braucht man ihn nicht auch noch provozieren. Das hat weniger mit Anstand zu tun als mit dem Umstand, dass die rote Schockstarre ein für die ÖVP durchaus angenehmer Zustand ist.
Vier Wahlen sind im kommenden Jahr zu schlagen, und die ÖVP _hat einiges vor. Gewählt wird in Wien, im Burgenland, in der Steiermark und auch der Bundespräsident. Und ÖVP-Chef Josef Pröll findet, dass sich mit Oberösterreich die Stimmung für ihn gedreht hat. Dabei ist die Ausgangssituation für die Volkspartei alles andere als einfach. Und für die SPÖ jedenfalls nicht so aussichtslos, wie manche aus heutiger Sicht den Eindruck haben.
Viermal verteidigen rote Amtsinhaber ihr Revier: Michael Häupl in Wien, Hans Niessl im Burgenland, Franz Voves in der Steiermark und Heinz Fischer die Hofburg. Wenn man sich die schwarzen Gegenkandidaten anschaut, Johannes Hahn, Franz Steindl und Hermann Schützenhöfer sind ihre Namen, wird man zum Schluss kommen, dass sich die roten Amtsinhaber höchstens selbst gefährlich werden können. Oder, wie in Wien, von der FPÖ massiv unter Druck gesetzt werden. Die schwarzen Landesorganisationen sind da wie dort jedenfalls keine ernsthaften Herausforderer, da mag sich Josef Pröll noch so selbstbewusst auf die Brust trommeln.
Ob Erwin Pröll das für Heinz Fischer sein kann? Herausforderer jedenfalls. Und derzeit schaut alles nach einem eigenen Präsidentschaftskandidaten der ÖVP aus. Onkel Erwin eben. Den niederösterreichischen Landeshauptmann drängt es in die Hofburg. Er will es wissen, sagen seine Begleiter.
Das mag für die Mobilisierungskraft der ÖVP ein wichtiger Testlauf sein, ein schwarzer Durchmarsch in die Hofburg ist aber unwahrscheinlich. So wie es unwahrscheinlich ist, dass die ÖVP in Wien, im Burgenland oder in der Steiermark der SPÖ gefährlich werden kann. Immer vorausgesetzt, dass sich die roten Spitzenkandidaten nicht selbst im Weg stehen - wofür es durchaus Potenzial gibt (insbesondere wenn man in die Steiermark blickt).
Die SPÖ wird sich, wenn sie sich nicht selbst zerfleischt, nächstes Jahr regenerieren können, die ÖVP wird aus ihrer Regierungsarbeit weiterhin Kraft schöpfen, und längst haben Faymann und Pröll ihr Denken auf das Jahr 2013 fokussiert. Da geht es um den Kanzler. Alles andere ist Geplänkel.

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