Neue Studie: Öl aus kanadischem Teersand noch schmutziger als angenommen

Tagebau in Größe Sloweniens verursacht mehr Treibhausgasemissionen als Österreich

Wien/Fort McMurray (OTS) - Zu den wohl schmutzigsten Aktivitäten der Ölindustrie gehört der Abbau von Teersanden in Kanada. Die Treibhausgasemissionen aus Teersanden sind noch größer als bisher angenommen. "Wer ein Auto mit Diesel aus Teersand fährt, braucht in Wirklichkeit nicht sieben Liter, sondern über dreißig Liter Treibstoff auf hundert Kilometer", rechnet Greenpeace-Energieexperte Jurrien Westerhof vor. "Das entspricht dem Verbrauch eines Sattelschleppers - und das mit einem PKW. Teersandabbau ist ein Verbrechen an der Umwelt. Und deswegen fordern wir die kanadische Regierung auf, den Abbau von Teersand zu stoppen", appelliert Westerhof.

Teersande kommen vor allem in Kanada und Venezuela vor. Sie bestehen aus einer Mischung aus Sand und Schotter und einer teerartigen Substanz. Aus diesem Sand kann mittels eines sehr energieintensiven Verfahrens Öl gewonnen werden. Dazu muss er abgegraben, erhitzt und gewaschen werden. Dabei entweicht nicht nur eine gewaltige Menge von Treibhausgasen, es werden auch die Flüsse in der Umgebung stark verschmutzt. Jahrelang wurden die Sande nicht abgebaut, da die Kosten zu hoch und das konventionelle Erdöl zu billig waren. Mittlerweile wird in der kanadischen Provinz Alberta auf einer Fläche von vielen Tausend Quadratkilometern Öl aus besagtem Teersand gewonnen. Die Größe der Abbaugruben wird schließlich etwa 1,6 Millionen Quadratkilometer betragen - das entspricht beinahe der Größe Sloweniens.

In den vergangenen Wochen hat Greenpeace aufgrund der Umweltverschmutzung und Klimazerstörung mehrmals gegen den Abbau von Teersanden in Kanada protestiert. Dabei wurden zahlreiche Aktivisten verhaftet. Jetzt wird eine neue Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die Treibhausgasemissionen aus dem Abbau noch größer sind als bisher angenommen. Ursache dafür: Die Zerstörung der Wälder durch den Tagebau wurde bisher nicht in die Rechnung miteinbezogen.

Die aktuelle Studie wurde von "Global Forest Watch Canada" verfasst und von mehreren Organisationen, darunter Greenpeace, in Auftrag gegeben. Ihr zufolge betragen alleine die Emissionen aus der Abholzung bereits beinahe neun Millionen Tonnen CO2 jährlich. Dazu kommen derzeit 36 Millionen Tonnen aus dem Abbau und der Verarbeitung des Sandes. In den kommenden Jahren werden die Gesamtemissionen aus Abholzung und Abbau auf 120 bis 140 Millionen Tonnen anwachsen. Zum Vergleich: Die jährlichen Emissionen Österreichs betragen rund neunzig Millionen Tonnen CO2. Dabei sind die Emissionen, die bei der Verwendung des Öls entstehen, noch gar nicht berücksichtigt.

Insgesamt sind die Emissionen aus Teersand also etwa fünf Mal so hoch wie die aus herkömmlichem Öl. "Teersandabbau ist Klima-Kriminalität und muss gestoppt werden", so Westerhof abschließend.

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Melanie Beran
Pressesprecherin Greenpeace, Tel:+43 664 612 67 18Dipl.-Ing. Jurrien Westerhof,
Energieexperte Greenpeace, Tel: +43 664 612 67 01

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