Internationale Lohnstückkostenposition 2008 leicht verbessert

Wien (WIFO) - 2008 kostete die Arbeitsstunde in Österreichs Sachgütererzeugung 31,40 Euro und war damit um 12% teurer als im Durchschnitt der anderen Länder der EU 15. In der internationalen Arbeitskostenhierarchie nahm Österreich 2008 den 9. Rang ein. Die relative Lohnstückkostenposition der österreichischen Sachgütererzeugung hat sich seit 2003 geringfügig verbessert und ist heute um rund 15% günstiger als Mitte der 1990er-Jahre.

Die Kosten der Arbeitsstunde in Österreichs Sachgütererzeugung von 31,40 Euro setzten sich 2008 aus einem Leistungslohn von 16,70 Euro und Lohnnebenkosten von 14,70 Euro zusammen. Der Lohnnebenkostensatz war mit 88% etwas niedriger als im Vorjahr.

Am teuersten war der Faktor Arbeit 2008 in Norwegen (Arbeitsstunde in der Sachgüterproduktion +31,4% gegenüber Österreich) vor Belgien (+16,6%), der Schweiz (+10,8%), Schweden (+10,4%) sowie Dänemark (+8,6%) und Deutschland (+6,8%). In den Niederlanden und in Finnland kostete die Arbeitsstunde etwa gleich viel wie in Österreich. Wechselkursbedingt verbesserte sich die Position von Großbritannien. Auch in den USA, (72% des österreichischen Wertes) wirkten sich die Wechselkursänderungen günstig auf die Wettbewerbsfähigkeit aus. In den neuen EU-Ländern betrugen die Arbeitskosten trotz Aufwertung der Landeswährungen einen Bruchteil der österreichischen (Tschechien 28%, Polen 22%, Ungarn, Slowakei und Estland knapp 20%, Litauen und Lettland rund 15%, Rumänien rund 10%, Bulgarien knapp 7% der österreichischen Arbeitskosten).

Die österreichische Sachgütererzeugung erzielte in den letzten Jahren nach einer schwächeren Entwicklung wieder überdurchschnittliche Produktivitätssteigerungen. 2008 stieg die Produktionsleistung je unselbständige Arbeitskraft um 2,0%, während die EU-Handelspartner einen Produktivitätsrückgang von 1,0% und Deutschland von 1,2% verzeichneten. Die österreichische Sachgütererzeugung wurde somit wie die gesamte österreichische Volkswirtschaft im Jahr 2008 durch die weltweite Wirtschaftskrise weniger stark getroffen als die Mitbewerber.

Die Produktivitätssteigerung hatte 2008 in der österreichischen Sachgütererzeugung einen mäßigen Anstieg der Lohnstückkosten zur Folge (+1,0%), während sich für die EU-Handelspartner eine Zunahme von 2,8% ergibt. Damit verbesserte sich die relative Lohnstückkostenposition im Jahr 2008 sowohl gegenüber dem gewichteten Durchschnitt der EU-Handelspartner (-2,2%) als auch gegenüber Deutschland (-1,5%) deutlich. Im Durchschnitt der Jahre 2003 bis 2008 war gegenüber den EU-Handelspartnern eine Verbesserung (-0,8%), gegenüber Deutschland aber eine Verschlechterung (+ 0,9%) zu verzeichnen.

Gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten veränderte sich die Wettbewerbsposition der österreichischen Wirtschaft in den letzten Jahren wenig. Im Durchschnitt 2003/2008 stiegen die relativen Lohnstückkosten in der Gesamtwirtschaft um 0,2% pro Jahr. 2008 erhöhten sie sich um 0,7%, während sich für die exportintensive Sachgütererzeugung gegenüber dem gewichteten Durchschnitt aller Handelspartner eine Verbesserung der Wettbewerbsposition ergab (-1,8%), die im Wesentlichen auf die günstige Produktivitätsentwicklung in der beginnenden Wirtschaftskrise zurückzuführen ist.

Die Entwicklung von Produktivität und Arbeitskosten im Jahr 2008 ist vor dem Hintergrund der weltweiten Wirtschaftskrise zu interpretieren, die die Volkswirtschaften unterschiedlich rasch erfasste: Die USA oder Japan etwa waren schon 2008 massiv betroffen. Österreichs Exporte brachen hingegen erst 2009 ein. Seit Anfang 2009 ist auch Österreich von der Krise stark betroffen. Die Arbeitsproduktivität und die internationale Lohnstückkostenposition dürften sich deshalb heuer verschlechtern.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 9/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=36769&typeid=8&
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