Geht Datenschutz vor Kinderschutz?

Unfallchirurgen präsentieren Vorschläge und Forderungen für einen verbesserten Kinderschutz in Österreich

Wien (OTS) - Verletzte Kinder aller Altersstufen gehören zur täglichen Praxis an Österreichs unfallchirurgischen Abteilungen. Das ergibt eine interne Untersuchung der Österreichischen Gesellschaft für Unfallchirurgie (ÖGU). Grund genug, die 45. Jahresversammlung unter das Motto "Trauma im Kindes- und Jugendalter" zu stellen. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen - insbesondere in der Medizin nicht. Unser Know-how aus der Erwachsenentraumatologie dürfen wir nicht 1:1 auf sie umlegen. Zu viele Komponenten beeinflussen die Behandlungs- und Therapiemethoden", erläutert Dr. Franklin Genelin, Primar am Kardinal Schwarzenberg'schen Krankenhaus Schwarzach und ÖGU-Präsident.

Leitfaden: "Kinder als Mitbetroffene häuslicher Gewalt"

Unfälle sind nicht die einzige Ursache für Kindesverletzungen, sondern auch Gewalt und Missbrauch. Die ÖGU wurde eingeladen, an dem vom BMWFJ in Auftrag gegebene Leitfaden "Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen" mitzuwirken und ihre spezifische Sichtweise im Teilprojekt "Kinder als Mitbetroffene häuslicher Gewalt" einzubringen. "Meist sind es die Unfallchirurgen, die mit gewaltbetroffenen Kindern zuerst konfrontiert werden", so OA Dr. Richard Maier, Bundesfachgruppenobmann der Österreichischen Ärztekammer. Der Leitfaden soll als Nachschlagewerk dienen zur Information über Ausmaß, Folgen und Dynamik häuslicher Gewalt.

Kinderschutz-Register zur Verhinderung von "Spital Shopping"

Als Beitrag zur Früherkennung von Missbrauchsfällen fordern die Unfallchirurgen eine verbesserte Vernetzung der Spitäler und die Einrichtung eines "Kinderschutz Registers" zur raschen Abklärung von Verdachtsfällen. "Im Verdachtsfall müssen wir auf Knopfdruck feststellen können, ob das verletzte Kind nicht schon mit den gleichen oder ähnlichen Verletzungen woanders behandelt wurde. Das können wir derzeit nicht. Hier muss uns die Politik helfen, ein Früherkennungssystem einzurichten, um das Spital-Shopping zu verhindern", fordert Univ.-Prof. Dr. Richard Kdolsky vom AKH Wien. Gleichzeitig gibt Kdolsky zu bedenken, dass datenschutzrechtliche Bestimmungen diese Vernetzung bisher verhindern. "Geht also Datenschutz vor Kinderschutz? Wir brauchen bessere Hilfsmittel zum Wohle der Kinder", appelliert Kdolsky.

Schaffung eines Kinderschutzombudsmanns

Gleichzeitig wünschen sich die Unfallchirurgen die Einrichtung eines Kinderschutzobmanns nach Vorbild des Wiener Pflegeombudsmanns. Diese unabhängige und weisungsfreie Stelle sollte zentral eingerichtet werden und alle Anliegen rund um das Kindeswohl behandeln. "Nach unserer Vorstellung sollte in jedem Spital ein Vertreter der Jugendwohlfahrt Mitglied der Kinderschutzgruppe sein. Bei einem Kinderschutzombudsmann könnten in Zukunft alle Drähte zusammenlaufen", so Kdolsky.

Einheitliche Gesetzgebung als Gebot der Stunde

Darüber hinaus fordern die Unfallchirurgen eine einheitliche Gesetzgebung in den Bereichen Jugendschutz und Jugendwohlfahrt. "Wir hoffen, dass das neue Bundes Kinder- und Jugendhilfsgesetz" einen Fortschritt bringt und appellieren an die Verantwortlichen, den Weg frei für schnelle Verfahren zum Wohle der Kinder zu machen", so Kdolsky abschließend.

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