"OÖ. Nachrichten"-Leitartikel: Gedenkmoment für eine tolle Idee, von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 26. September 2009

Linz (OTS) - Despoten wurden gehenkt, Kriege angezettelt, um einer genialen politischen Idee zum Durchbruch zu verhelfen. Vielleicht legen Sie morgen einen kleinen Gedenkmoment in der Wahlzelle dafür ein, dass Demokratie eben nichts Selbstverständliches ist.
Zu viel Pathetik für eine bescheidene Landtagswahl? Mag sein. Aber für uns output-orientierte Wohlstandsdemokraten, die das Gemeinwohl danach definieren, wie viel es für sie an Leistungen abwirft, ist die umgekehrte Sichtweise vielleicht nicht mehr alltäglich: Demokratie lebt von Engagement, Begeisterung, Beteiligung der Bürger, davon, dass sie ihre Vertreter selbst bestimmen dürfen. Wir müssen als Bürger auch einzahlen.
Josef Pühringer und Erich Haider würden es verkraften, wenn sie morgen ihr Stimmrecht verfallen lassen. Aber die Demokratie hätte sich dieses persönliche Desinteresse nicht verdient.
Also gehen wir morgen alle brav wählen! Versprochen? Und wenn Sie zu den zehn Prozent Spätentscheidern zählen sollten, die noch nicht wissen, wohin sie ihr Kreuz machen sollen, legen Sie einfach folgenden Fragenraster über alle Kandidaten: Wer hat im Wahlkampf am weitesten vorausblicken und so etwas wie Visionen erkennen lassen? Wer hat die großen Blöcke - Aufrechterhaltung der Finanzierbarkeit des Sozialstaates, Generationengerechtigkeit, Klimakollaps - am deutlichsten thematisiert?
Wer hat es sich versagt, Kleingeld zu münzen? Wer hat einen roten Faden als politisches Handlungskonzept erkennen lassen? Das allein sollte Sie einem Wahlvorschlag näher führen. Wenn nicht, halten Sie sich halt an die Parteiprogramme - und in letzter Instanz an die Personen.
Sie sind sich trotzdem noch immer unschlüssig? Dann wählen Sie halt ungültig, aber wählen Sie, bitte.
Und noch etwas: Politik und Demokratie können ganz schön spannend sein. Der morgige Sonntag verspricht einen solchen Spannungsbogen, es wird ein langer Abend.

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