Hebammenzentrum feiert "mit Bauchschmerzen" 20jähriges Bestehen

Gebäudeerweiterung zum Jubiläum - Aktuelle Geburtstrends erschweren Arbeit der Hebammen - Ultraschall und Technik verdrängen "traditionelles Wissen"

Wien (OTS) - Für Bezirksvorsteherin Martina Malyar ist das Hebammenzentrum in der Lazarettgasse 6 "das Kompetenzzentrum in Sachen Geburten in Wien", für viele Schwangere sind die 33 dort arbeitenden freien Hebammen hilfreiche Begleiter durch diese wichtige Lebensphase. Bei einem Mediengespräch am Freitag zogen die Betreiberinnen eine zwiespältige Bilanz: Hausgeburten sind weiterhin selten, der verpflichtende Besuch einer Hebamme mittels Mutter-Kind-Pass ist kürzlich wieder gescheitert, die Beratungen vor Ort und das Angebot laufen dennoch gut. Laut einer Untersuchung nehmen vor allem gut gebildete Frauen das Hebammenzentrum in Anspruch.

Um die 250 Frauen bringen via Hausgeburt ihre Kinder in Wien zur Welt. Eine Minderheit, angesichts der 17.000 Geburten pro Jahr in Wien. Für Renate Grossbichler vom österreichischen Hebammengremium unterliegt die Geburt gesellschaftlichen Trends. War vor 20 Jahren das Schlagwort der "sanften Geburt" in vieler Munde, also die möglichst technikfreie "natürliche" Geburt, so würden heute Organscreening, Ultraschall, Triple Test, Kaiserschnitt und schmerzlose Epidural-Angebote stark nachgefragt werden. "In den Kreissälen wird es immer leiser", steht in der druckfrischen Jubiläumszeitschrift irgendwo zu lesen: Für viele Wiener Hebammen eine mit Skepsis verfolgte Beobachtung.

Das umfangreiche Angebot des Hebammenzentrums erstreckt sich von der Familienberatung und Geburtsvorbereitungskursen bis hin zur Begleitung schwangerer Frauen ins Krankenhaus oder zur Entbindung zu Hause. Für die Hebammen Karin Lawugger und Heide Achter geht es darum, den Frauen möglichst hilfreich beizustehen und für sie den "passenden Ort der Niederkunft" zu finden. Sie selbst sind starke Befürworter der Hausgeburt, wie auch der Selbstbestimmung der Frauen. Gemäß einer Studie, bei der 110 Personen ausführlich zum Service des Zentrums befragt wurden, wird das Angebot von der gut ausgebildeten Mittelschicht aufgesucht. Ein Viertel hatte die Matura, zwei Drittel verfügen über einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss. Zusammen mit der Bezirksvorstehung Alsergrund will man sich bemühen, den Adressatenkreis zu erweitern.

Seit 2008 ist das Zentrum offiziell anerkannte Ausbildungsstätte für HebammenstudentInnen. Die Ausbildung zur Hebamme kann man in Wien am Campus Wien in Favoriten absolvieren, sie dauert sechs Semester (www.fh-campuswien.ac.at/studium/gesundheit/ ).

Bis heute Abend sind die Türen des Hebammenzentrum für alle Interessierten weit geöffnet. Bei freiem Eintritt steht neben diversen Vorträgen - darunter etwa der Vortrag der Historikerin Gabriele Sorgo über "Gebären in einer Konsumgesellschaft" (gegen 17.00 Uhr) -das vielfältige Angebot des Zentrums im Mittelpunkt: Von der richtigen Babymassage über die Vorteile des Tragetuchs und das Wöchnerinnenturnen bis zu Tipps für windelfreie erste Lebensjahre.

o Hebammenzentrum (9., Lazarettgasse 6/2/1)
www.hebammenzentrum.at
Telefon: 408 80 22

(Schluss) hch

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