DER STANDARD - Kommentar: "Bescheidene Einladungsliste" von Nina Weißensteiner

Wien (OTS) - Bemerkenswert, dass der künftige EU-Kommissar dem Parlament in Wien Rede und Antwort stehen wird, bevor er sich nach Brüssel aufmachen darf. In einem Land, in dem der EU-Überdruss zeitweise rekordverdächtige Ausmaße annimmt, bedarf es wahrscheinlich solcher Akte, um das Volk gegenüber der Union und seinen Repräsentanten gnädiger zu stimmen.
Doch das geplante Unterfangen birgt einige Schönheitsfehler. Erstens droht die Anhörung im Nationalrat zum üblichen Polittheater zu verkommen, weil die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP zu diesem Zeitpunkt längst ihren Kandidaten abgesegnet haben. Allein schon deswegen wird die Opposition bei ihrem Fragespiel danach trachten, den EU-Neuling möglichst alt aussehen zu lassen.
Zweitens will die Parlamentspräsidentin die EU-Abgeordneten bei der ganzen Aktion außen vor lassen, obwohl es geschäftsordnungstechnisch ganz simpel wäre, diese Mandatare dazu einzuladen. Ein seltsames Ansinnen, soll doch der Kommissar in spe auf seine Vorhaben für die Union abgeklopft werden. Denn: Die Europa-Politiker sind mit den EU-Agenden wesentlich besser vertraut als ihre heimischen Kollegen. Und sie schielen auch weniger auf den Boulevard, wenn es um die Brüsseler Belange geht.
Doch auf dieses zusätzliche Know-how will man verzichten. Und so lässt sich die Dramaturgie des Hearings ziemlich zuverlässig vorhersagen. Sie lautet: Aufgelegte Fragen von Rot und Schwarz für den neuen Kommissar, dafür harte Vehörmethoden von Blau, Orange und Grün.

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