WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Kompetenz ist unabhängig vom Geschlecht - von Esther Mitterstieler

Das Land braucht eine Quote, gerne auch zeitlich befristet

Wien (OTS) - Machen wir uns nichts vor: Frau und Mann sind immer noch nicht gleichgestellt, wenn wir den Gehaltszettel betrachten. Ab Sonntag arbeitet demnach jede Frau in Österreich bis Jahresende gratis. Die Männer werden dagegen für ihre Arbeit entlohnt: Frauen verdienen hierzulande abzüglich Teilzeitansprüche etc. um 15 Prozent weniger als Männer. Das wollen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Sozialminister Rudolf Hundstorfer ändern - mit der Initiative "Gleiche Arbeit für gleichen Lohn".

Im Frühjahr 2010 soll per Gesetz festgeschrieben werden, dass Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern ihre Gehälter betriebsintern und nach Vergleichsgruppen offen legen. Wohlgemerkt, nicht nach Einzelgehalt. Schweden ist ein Vorbild. Dort hat sich gezeigt:
Transparenz ist ein adäquates Mittel, um mehr Gleichheit zu schaffen.

Der Vorschlag der beiden Minister ist eine gute Variante, aber klar muss sein: auch das ist zu wenig. Um Platz für kompetente Frauen auch in Führungspositionen zu schaffen, reicht der frische Wind der Transparenz nicht aus. Denn die Öffnung der Unternehmensspitzen ist eine ebenso dringliche Aufgabe zwecks mehrschichtiger Wirkung.

Die US-Lobbyorganisation Catalyst hat es durchgerechnet: Der Erfolg eines Unternehmens hängt sehr wohl vom Frauenanteil in der Führungsriege ab. Laut Catalyst-Studie erzielten Unternehmen mit gemischter Führungsmannschaft eine bis zu 35 Prozent höhere Eigenkapitalrendite als Unternehmen mit Männermonopol im Unternehmens-Olymp. Stichwort Olymp: Bisher war unter den 21 Mitgliedern des Österreichischen Olympischen Comités keine Frau. Warum? Keine Ahnung. Jetzt wird immerhin Dressur-Olympiasiegerin Sissi Max-Theurer als Vizepräsidentin gehandelt. Das kanns aber auch nicht gewesen sein.

Ich lehne Regulierungsexzesse per se ab, hier zeigt sich (leider):
das Land braucht eine Quote, gerne auch zeitlich befristet. Ohne eine solche würden in Finnland auch keine 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten sitzen. Bei uns schaffen es die wenigen immer noch vor allem, weil sie einer bestimmten Partei angehören. Auch das gehört reformiert: Weg mit dem Farbenspiel, her mit kompetenten Frauen und Männern. Die braucht das Land zuallererst. Und bitte nicht vergessen:
Kompetenz ist geschlechtsneutral.

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