Kapellari: "Den Übergang zu Neuem mit aktiver Geduld fördern"

Grazer Diözesanbischof bei der Pfarrerwoche im Bildungshaus Schloss Seggau - Priester sind "Türöffner an der Schwelle zur Kirche" - "Jahr des Priesters" darf keine "klerikale Engführung" bedeuten

Graz, 24.09.2009 (KAP) Die Kirche befindet sich nicht in einer "Gründerzeit", aber auch nicht in einer von vielen heraufbeschworenen Krise; vielmehr gelte es, "den Übergang zu Neuem mit aktiver Geduld zu fördern" und zugleich den "hochfrequenten Paukenschlägen" zu widerstehen, mit denen die Kirche vom konservativem wie vom liberalen Flügel zu Aktionismus und Alarmismus angestiftet werden soll. Dies betonte der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari bei seiner Eröffnungsansprache zur 52. "Pfarrerwoche", die von Montag bis Donnerstag, 24. September, im steirischen Bildungshaus Schloss Seggau stattfindet. Das Thema der Woche lautet "Glaubensverkündigung. Die Suche nach katholischer Identität". Den Vortrag zum Studienteil hält der Bochumer Neutestamentler Prof. Thomas Söding.

In der Zeit eines "emotional wenig aufgeladenen Pragmatismus" gilt laut Kapellari für Christen der "Appell zu aktiver Geduld, zu einem unverdrossenen Handeln aus der Kraft eines langen Atems". Einen solchen langen Atem, der auch dem "Erosions- bzw. Korrosionsprozess" des Christentums in den westeuropäischen Ländern widersteht, könne man jedoch nur aufbringen, wenn man sich als Christ konsequent dem Blick auf Christus selbst verschreibe. "Auf Christus schauen" sei daher ein Appell, der für Laienchristen ebenso gelte wie für Priester.

Trotz der verbreiteten Rede von der "Wiederkehr der Religion" und einer teilweisen "Respiritualisierung" müsse man der Tatsache ins Gesicht sehen, dass viele Menschen weiterhin leben "'etsi Deus non daretur' - 'als ob es Gott nicht gäbe'", so Kapellari in Anspielung auf das berühmte Zitat des Rechtsgelehrten Hugo Grotius. Und trotz dieser Tendenzen und einer "weit verbreiteten religiösen Gleichgültigkeit und Unverbindlichkeit" selbst bei Katholiken gelte es, die tatsächliche Präsenz der Kirche in Europa "nicht kleinreden zu lassen oder sogar selber kleinzureden".

"Türöffner an der Schwelle zur Kirche"

Die Priester müssten sich in dieser Situation als "Türöffner an der Schwelle zur Kirche" verstehen - und dies um so mehr, als es neben dem weiterhin zu verzeichnenden "Aderlass" der Kirchenaustritte mittlerweile auch eine "Gegenbewegung" in Gestalt von Rückkehrern oder von erstmalig in die Kirche eintretenden Erwachsenen gebe. In dieser Situation hänge es "in hohem Maße auch von den Priestern ab", ob es der Kirche gelinge, diese Menschen mit offenen Armen willkommen zu heißen, so der Bischof.

Das derzeitige "Jahr des Priesters" darf laut Kapellari "nicht als ein Versuch einer klerikalen Engführung des Weges der Kirche" missverstanden werden. Vielmehr gelte es, den Priestertum auf dem theologischen Boden des Zweiten Vatikanischen Konzils als "inmitten der Kirche und der Gemeinden stehend" zu reflektieren. Das "missverständliche Schema 'Oben-Unten'" müsse ersetzt werden durch das Schema "In-Gegenüber" - freilich ohne den besonderen Leitungsdienst der Priester zu relativieren, wie er etwa bei der Feier der Eucharistie deutlich wird. Kapellari wörtlich: "Wenn aber das Weihesakrament in manchen Ländern vom allgemeinen Priestertum aller Getauften absorbiert zu werden droht, dann ist ein 'Jahr des Priesters' ein prophetischer Impuls zur Wahrung katholischer Identität."

Zugleich könne das "Jahr des Priesters" als Impuls verstanden werden, "sich besonders der Liturgie, ihrer Heiligkeit und Schönheit, anzunehmen", so der Grazer Bischof. Zwar sei die Liturgie nach seiner Überzeugung nicht "in einer generellen Krise", dennoch gebe es mancherorts Bedarf, "eingeschlichene Banalitäten" als solche zu erkennen und zu beseitigen, so Kapellari.

Im Blick auf den Zölibat merkte Kapellari an, dass die Priester einander jene Haltung schulden, die im Titel eines Buches von Vaclav Havel mit den Worten "Versuch, in der Wahrheit zu leben" trefflich zusammengefasst sei. Die Diözese nehme sämtliche Probleme, die mit dem Zölibat zusammenhängen, sehr ernst, so Kapellari. Die Diözese übe sich "nicht im Wegschauen", sondern versuche, "irreguläre Situationen (...) offen anzusprechen und in Bewegung zu bringen, damit Entscheidungen nicht endlos aufgeschoben werden". Über allem müsse jedoch stets die Möglichkeit des Verzeihens stehen, etwa "wenn eine Rückkehr in die alte Treue nach oft langen Umwegen gelingt".

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