Aktuelle Studie: 600.000 Diabetiker in Österreich, 20% mehr als bisher angenommen

Wien (OTS) - Utl: Neu gegründete "Diabetes Initiative Österreich" fordert: Gezielte Maßnahmen zur Prävention, Früherkennung und Behandlung müssen rasch umgesetzt werden; Diabetes ist die teuerste chronische Krankheit

Wien, 24. September 2009: Die neu gegründete "Diabetes Initiative Österreich" DIÖ, eine interdisziplinäre Interessensgemeinschaft, die die wesentlichen Akteure der österreichischen Diabeteslandschaft unter einem Dach vereint, veröffentlicht heute die erste umfassende Bevölkerungsstudie zum Thema Diabetes in Österreich. Im Rahmen der Umfrage wurden 4.000 Personen ab 15 Jahren zum Thema Diabetes befragt. Die Ergebnisse wurden heute, Donnerstag, im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Rund 600.000 Menschen in Österreich leben mit Diabetes, das sind 20 % mehr als bisher angenommen
Dramatisch ist die Situation angesichts der Tatsache, dass in Österreich etwa 600.000 Personen an Diabetes leiden, 420.000 davon bereits diagnostiziert, 170.000 sogar ohne noch die Diagnose erhalten zu haben. Dies deshalb, da bei vielen Patienten der Diabetes erst nach Auftreten einer Folgeerkrankung entdeckt wird. Neben dem immunologisch bedingten Typ-1 Diabetes sind die überwiegende Mehrzahl der Diabetiker Typ-2 oder so genannte "Altersdiabetiker". Insgesamt leiden etwa 8% der in Österreich lebenden Menschen über 15 Jahren an Diabetes.

"Bisher ist man für Österreich von insgesamt 500.000 Diabetikern (350.000 diagnostiziert und 150.000 noch nicht diagnostiziert) ausgegangen, die neue Studie zeigt eindeutig, dass es bereits 600.000 sind - Tendenz steigend.", betont Studienautorin Astrid Eßl, GfK, die besondere Brisanz der erstmals in Österreich erhobenen Daten.

Diabetes - die teuerste chronische Krankheit, höchste Zeit etwas zu tun!
Detaillierte Zahlen über die volkswirtschaftlichen Kosten von Diabetes in Österreich fehlen. Legt man aber vorhandene Studien aus Deutschland zu Grunde wird klar: Der überwiegende Teil der von Diabetes verursachten Kosten wird zur Behandlung Diabetes-bedingter Folgeerkrankungen aufgewendet, die sich bei rechtzeitiger und adäquater Therapie vermeiden ließen. In Deutschland verursacht ein Typ-2-Diabetiker das 1,3-fache (ohne Komplikationen) bis 4,1-fache (mit Komplikationen) der durchschnittlichen Kosten eines Versicherten (KoDiM-Studie, Köln 2001 - die erste umfassende Studie unter knapp 27.000 Versicherten in Deutschland). Der Großteil der Kosten wird damit nicht für die Therapie der Diabetes aufgewendet, sondern für die Behandlung von Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Augenerkrankungen oder das diabetische Fußsyndrom. Legt man die deutschen Zahlen auf Österreich um, dürfte Diabetes derzeit in Österreich Kosten von weit über einer halben Milliarde Euro pro Jahr verursachen.

Der Leiter der Abteilung für Sozial- und Gesundheitspolitik der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Martin Gleitsmann, betont: "Eine fundierte Folgekostenabschätzung ist auch für Österreich dringend notwendig, wenn man sich diesen möglichen volkswirtschaftlichen Schaden vor Augen führt. Die Wirtschaft geht letztlich davon aus, dass gesündere Arbeitnehmer, aber auch medizinisch gut betreute Diabetiker, neben geringeren Gesundheitskosten auch weniger Fehlzeiten und Krankenstände in Unternehmen verursachen und normal am Erwerbsleben teilhaben können. Deshalb sind gute Therapie und Maßnahmen zur Diabetes-Früherkennung auch aus Sicht der Unternehmen wünschenswert."

"Diabetes ist heute vor allem auch eine Lebensstil-bedingte Erkrankung, die uns alle betrifft und die durch eine Summe von Faktoren verursacht wird", so der Sprecher der Diabetes Initiative Österreich, Prof. Dr. Bernhard Ludvik. "Vor allem jahrelange falsche Ernährung sowie zu wenig Bewegung sind die Hauptursachen für Diabetes, einer Krankheit, die nicht geheilt werden kann. Diabetes ist aber heute gut therapierbar und kann bei frühzeitigen Gegenmaßnahmen verhindert werden."

Gezielte Maßnahmen rasch umsetzen
Zusammenfassend ließen sich aus der aktuellen Studie drei klare Arbeitsaufträge ableiten, wie Dr. Ludvik betont: "Eine umfassende Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung für Diabetes, seine Ursachen und Konsequenzen; ein Schwerpunkt in Sachen Prävention, insbesondere im Hinblick auf den Lebensstil und die Etablierung moderner Therapiestandards - einheitlich und flächendeckend in ganz Österreich."

Die Studie im Detail

Risikogruppe 60 plus
Die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken, steigt mit zunehmendem Lebensalter stark an. Während bei den bis 39-Jährigen lediglich 3% betroffen sind, leiden bereits 14% der über 60-Jährigen an Diabetes. Besonders auffällig ist aber der hohe Anteil der Risikogruppe ab 60 Jahren. So leben 2% dieser Altersgruppe mit einer 50%-Chance, bereits an Diabetes erkrankt zu sein, bei weiteren 14% liegt die Wahrscheinlichkeit, schon an Diabetes zu leiden, bei 33%!

Während nur 3% aller Normalgewichtigen an Diabetes erkrankt sind, liegt der Anteil bei den Übergewichtigen (das sind immerhin 29% der Bevölkerung oder rund 2 Mio. Personen) bei 9% und bei Menschen mit Adipositas sogar bei 15%. Weitere 24% der Adipösen werden in den nächsten Jahren mit hoher Sicherheit ebenfalls unter Diabetes leiden.

Karl Blecha, Präsident des Österreichischen Seniorenrates zeigt auf: "Diabetes ist ein Thema, das vor allem ältere Menschen betrifft. Sie sind in Österreich auch die größte von Diabetes unmittelbar betroffene Gruppe. Es ist uns ein besonderes Anliegen, auf die Notwendigkeit einer optimalen medizinischen und pflegerischen Betreuung von älteren Diabetikerinnen und Diabetikern hinzuweisen -wir hoffen, dass diese Initiative ihren Beitrag dazu leisten kann."

Zwei Drittel aller Befragten hat keine Angst vor Diabetes
Während 51% der Befragten Angst davor haben, irgendwann in ihrem Leben an Krebs zu erkranken, und 41% der Befragten Angst davor haben, einmal an Gefäßerkrankungen zu leiden, befürchten nur 30% aller Befragten, an Diabetes zu erkranken. "Auffällig ist, dass Diabetes in weiten Teilen der Bevölkerung kein Thema ist; so geben mit 62% fast zwei Drittel aller Befragten an, dass sie niemals Angst davor hätten, an Diabetes zu erkranken. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil 29% aller Befragten jemanden im Familienumfeld haben, der bereits an Diabetes erkrankt ist, in den meisten Fällen sogar ein Elternteil. Nimmt man zum unmittelbaren Verwandtenkreis noch Freunde und Bekannte hinzu, so gibt es kaum eine Person in Österreich, die noch nicht auf irgendeine Art mit Diabetes konfrontiert war. Es ist umso bemerkenswerter, dass zwei Drittel der ÖsterreicherInnen trotzdem für sich das Risiko einer Erkrankung ausschließen", so Studienautorin Astrid Eßl von GfK.

Besorgniserregend - 32% aller Diabetiker sehen ihren Arzt nur unregelmäßig
Bei betroffenen Diabetikern ist das Arzt-Besuchsverhalten besonders auffällig, weil es kaum bis gar nicht von jenem gesunder Menschen abweicht.
* 3% der Diabetiker gehen nicht zum Arzt
* 12% nur 1x pro Jahr
* 17% nur 2x pro Jahr
* Im Durchschnitt 5x pro Jahr (etwas häufiger als 1mal pro Quartal)

"Wir haben also 420.000 diagnostizierte Diabetiker in Österreich, von denen wir wissen, dass 32% nicht optimal betreut werden, obwohl es in (fast) allen Bundesländern Diabetes-Programme geben würde. Die überwiegende Mehrzahl der Diabetiker besucht zur Behandlung den Hausarzt (62%), gefolgt von Fachärzten (24%) und Diabetes-Ambulanzen (15%) sowie Krankenhäusern (14%).", so Studienautorin Eßl.

"Beim Punkt Diabetes-Behandlung ist die Frage, wie wir Angebot und Nachfrage zusammenbringen, denn es gibt in Österreich ja bereits ein auch von der Österreichischen Diabetes Gesellschaft unterstütztes Programm, das Disease Management Programm, Therapie Aktiv", erklärt Prof. Bernhard Ludvik. Ein Ziel der Diabetes Initiative Österreich wird es sein, dieses Programm zu progagieren, sodass möglichst viele, am besten alle DiabetikerInnen in diesem Programm betreut werden.

Österreicher diffus informiert
Besonders bemerkenswert laut Eßl sei, "dass die Basisinformation über Diabetes zwar scheinbar sehr hoch ist und die Menschen allgemein gut informiert sind, oder dies zumindest von sich selbst glauben. Allerdings zeigt die vertiefte Analyse, dass sich die 'falschen Menschen' für Diabetes interessieren, nämlich jene, die ohnehin nicht erkranken werden, während sich diejenigen, die in die höchste Risikogruppe fallen, am wenigsten für Diabetes interessieren." Angesichts der Tatsache, dass der Arzt jene Informationsquelle ist, über die die Österreicher zu 66% über Diabetes informiert werden möchten, gefolgt von Internet mit 34% und Zeitschriften mit 27%, ist dies eine spannende Herausforderung - vor allem in der Kommunikation zwischen Arzt und Patient:

  • 50% der Gesunden ohne Risikoprofil befürchten, in den nächsten 10 Jahren an Diabetes zu erkranken. Gleichzeitig ist sich ein Drittel der mittleren und hohen Risikogruppe sicher, in den nächsten 10 Jahren nicht an Diabetes zu erkranken.
  • 16 % aller Österreicherinnen und Österreicher fühlen sich subjektiv sehr gut informiert. Der subjektive Informationsgrad steigt mit zunehmendem Lebensalter.
  • Auch die Hochrisikogruppe (in der jeder Zweite an Diabetes erkranken wird) hat subjektiv das Gefühl, gut über die Erkrankung Bescheid zu wissen.

Diabetes schränkt die Lebensqualität ein
"Wir sehen aus den Zahlen deutlich, dass Diabetes sowohl von Gesunden als auch Erkrankten als Lebensqualitäts-beeinträchtigend wahrgenommen wird. Dies ist besonders bedauerlich - wissen wir doch, dass rechtzeitig erkannter und gut therapierter Diabetes bei entsprechender Lebensstiländerung ein weitgehend "normales" Leben ermöglicht", erläutert Ludvik.

  • 42% aller ÖsterreicherInnen
  • und 44% jener Befragten, die noch nie hinsichtlich eines etwaig vorliegenden Diabetes untersucht wurden, sind der Meinung, dass Diabetes die Lebensqualität einschränkt.
  • Diese Meinung teilen aber nur 32% der Diabetiker.

Breite, zielgruppenorientierte Information dringend nötig
"Wir benötigen unbedingt Information in guter Qualität, müssen die richtigen Menschen erreichen und müssen dies alles mit hoher Verfügbarkeit bereitstellen. Für Ärzte ist es im Alltag nicht immer einfach, Menschen Information einfach und laiengerecht verständlich zugänglich zu machen. Wir müssen hier ein Angebot für die Ärzte schaffen, damit sie ihren Patienten Informationen leichter kommunizieren können. Genauso müssen wir uns aber bemühen, die noch gesunden Menschen, die in ein Risikoprofil fallen, frühzeitig aufzufangen und sie zu einer Lebensstilumstellung zu bewegen. Die Diabetes Initiative Österreich wird ab Herbst 2009 einen Beitrag dazu leisten: Jeder, der sich an diesem Prozess konstruktiv beteiligen möchte, ist herzlich eingeladen, dies zu tun", so Ludvik abschließend.

Über die Diabetes Initiative Österreich
Die "Diabetes Initiative Österreich" ist eine rein aus privater Hand finanzierte interdisziplinäre Plattform für Projekte, Ideen und Kommunikation rund um das Thema Diabetes und Diabetes-Prävention. Ziel ist es, über die nächsten Jahre hinweg das Thema umfassend zu beleuchten und einen Austausch zwischen allen am Thema Beteiligten und Interessierten in Österreich zu schaffen. Damit vereinen sich erstmals in Österreich Wirtschaft, Politik, Experten, NGOs, Interessensvertretungen und Interessierte.

Die institutionellen Unterstützer der Diabetes Initiative sind vorläufig: Bio.K, Gourmet, sanofi-aventis, Ströck, Plattform Gesundheitswirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich, Dr. Hochegger Kommunikationsberatung, Pensionistenverband Österreich, Österreichischer Seniorenbund, Sportunion, Hilfswerk Österreich, Caritas Wien. Als Sprecher der Initiative agiert ao. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik.

Im Rahmen eines interdisziplinären Advisory Boards stellen namhafte Experten aus den Bereichen Gesundheit, Medizin und Gesundheitsökonomie ihre Expertise der Diabetesinitiative Österreich zur Verfügung (u.a. Prof. Hans Holdhaus / Leistungsdiagnostiker, Dr. Doris Langeder / Selbsthilfe, Univ.Doz. Dr. Raimund Weitgasser / LKH Salzburg - Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Dr. Erwin Rebhandl / Allgemeinmediziner, Mag. Maria Hofmarcher / Gesundheitsökonomin, Christa Rebhandl / Diplomkrankenschwester)

Weitere Informationen über die Diabetes Initiative Österreich erhalten Sie unter www.diabetesinitiative.at oder unter +43/1/24202-0.

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