Wienbibliothek hebt ab: Schau über Wiens Fluggeschichte

Wien (OTS) - Aus dem Flugfeld Aspern wird die "Seestadt Aspern",
die AUA ist zur deutschen Lufthansa gekommen, im Gemeinderat geht es um den Skylink: gar kein schechter Zeitpunkt also, um im Ausstellungskabinett der Wienbibliothek Rückblick auf Wiens luftige Geschichte zu werfen. Leicht, stringent und spannend hat das 5köpfige Kuratorenteam, bestehend aus Hubert Prigl, Markus Reuter, Marcel Atze, Thomas Aigner und Julia König-Reiter, die Flugreise über die Destination Wien gestaltet. Plakate aus der eigenen Haussammlung, Wochenschauen, Porträts über Flugpioniere, aber auch Details über den frühen Jet Set der Wiener Gesellschaft, zu der auch Karl Kraus und Bertha von Suttner gehörten, lohnen einen mehrmaligen Aufenthalt der trotz vieler Objekte klar strukturierten Schau. "Schwerer als Luft", so der eigentliche Titel, läuft bis 26. Februar 2010 bei freiem Eintritt. Ein knapp 160seitiger Katalog, "getarnt" als Bordbuch, fasst noch einmal die tragenden Themen zusammen, allein wegen der nostalgisch anmutenden Plakate, so findet sich etwa gleich auf Seite 2 eine wunderbare "Smart"-Werbung aus dem Jahr 1967, zum Thema Fliegen zahlt sich der Erwerb des im Metro Verlag ( www.metroverlag.at ) publizierten Heftes aus (Kosten: 15 Euro). Donnerstag Abend wurde die Schau eröffnet.****

Simmeringer Haide, Mauer, Aspern, die Donauwiese im ehemaligen Überschwemmungsgebiet, aber auch die Donau bei der Reichsbrücke und Jedlsee waren Orte des ab 1909 populär gewordenen Flugsports. Damals, 1909, landete Louis Blériots mit seinem Aeroplan, mit dem er auch den Ärmelkanal überquerte, in Simmering und kolportierte 300.000 Menschen wanderten dorthin, um das "Wunder" zu betrachten. Auch nach dem Franzosen riss die Zeit der auf den Photos immer verwegen strahlenden "Helden" und Pioniere" auf den Wiesen der Stadt nicht ab. Wie etwa jene US-Piloten, die bei ihrer erfolgreichen Umrundung der Welt im Jahr 1924 der Stadt in Aspern ihre Reverenz erwiesen. Im Unterschied zur Gegenwart, wo Flugzeuge irgendwo zwischen Alltagstransport, Kerosinsteuer, Firmenkonzentration und spektakulären Unfällen herumdüsen, erinnert die farbenfroh gestaltete Schau an die große Faszination des Fliegens in einer Gesellschaft, in der das Fliegen noch als "unerreichbarer Spaß der oberen 10.000" empfunden wurde. Musikstücke, wie "Flieger, grüss mir die Sonne..", spielen nicht nur auf den Ikarus-Mythos an, sondern konservieren auch das Empfinden der Unwirklichkeit. Zeppelin-Landungen, die ersten Luftkriege im ersten Weltkrieg, aber auch Gabriele d' Annunzios Lufthusarenstück im August 1918 über Wien unterstreichen das Zirkushafte dieser neuen Technik.

Betritt man die Schau so erzählt die kopfhoch angelegte Ahnengalerie bedeutender Flieger allein durch die Porträts auch vom großen Wirken des Militärs. Alexander Löhr, verantwortlich für den Bombenterror auf Belgrad 1941, und dafür 1947 auch hingerichtet, kommt ebenso vor, wie die bizarr wirkende Geschichte der beiden Piloten Josef Fözo und Johann Dobias. Ersterer flog als Nazi-Pilot bei der "Legion Condor" im spanischen Bürgerkrieg mit, während zweiterer als Pilot die republikanischen Garden von der Luft aus unterstützte. Den Pionierinnen der Luft, darunter auch die eigentlich für andere Lustbarkeiten bekannte Beate Uhse, widmen die Kuratoren einen eigenen Schwerpunkt.

Auch der AUA räumt die Schau natürlich entsprechenden Raum ein, wie auch Niki Lauda, oder der Geschichte der Hubschraubereinsätze im Stadtgebiet, die erstaunlicherweise bereits 1956 in der Meidlinger Kaserne beginnt. Zu unterstreichen ist jedoch vor allem die Betonung der Topografie. Nicht unähnlich der Fußball-Schau im Wienmuseum im vergangenen Jahr ("Wo die Wuchtel fliegt") schafft auch die jetzige Schau in der Wienbibliothek Orte wieder zu entdecken, die längst anderen Interessen, meistens war es der Wohnbau, weichen mussten. Den Besucher nehmen dabei wohl vor allem die schwarz/weiß-Aufnahmen der meist aus Holzbaracken bestehenden Flughäfen ein. So zeigt etwa ein solches Bild die Abfertigungsbaracke am Landeplatz Winterhafen aus dem Jahr 1925: die in ihren Liegstühlen sitzenden Männer erinnern nahezu an ein sommerliches Teekränzchen. Von unseren längst zur Gewohnheit gewordenen Röngten-Kontrollen, Eincheck-Prozeduren, klappernden neuen Abflug- und Landetafeln und Warteschlangen ist noch kein Hauch zu spüren.

o "Schwerer als Luft" 100 Jahre Motorflug in Wien Laufzeit: 18.9.2009 bis 26.2.2010 Ort: Wienbibliothek im Rathaus (Stiege 6, 1. Stock, Ausstellungskabinett) o Öffnungszeiten: Mo-Do 9.00-18.30 Uhr; Fr 9.00-16.30 Uhr Führungen werden auf Nachfrage angeboten: oeffentlichkeitsarbeit@wienbibliothek.at; Telefon: 4000-84926 Der Eintritt ist frei. o Infos auch unter: www.wienbibliothek.at

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