Tauran: Christen und Muslime gemeinsam gegen die Armut

Botschaft des Präsidenten des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog zum Ende des Ramadan - Nur durch Überwindung der Armut können Gewalt und Terror zurückgedrängt werden

Vatikanstadt, 18.09.2009 (KAP) Christen und Muslime sollten "gemeinsam die Armut besiegen": Dazu hat der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, in einer Botschaft zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan aufgerufen. Nur durch die Bekämpfung der Armut könnten Gewalt und Terror zurückgedrängt werden, so Tauran.

Armut erniedrige den Menschen und verursache "unerträgliche Leiden", die so zu einer "Quelle der Vereinsamung, der Wut, ja sogar des Hasses und des Verlangens nach Rache" werden können. Das könne soweit führen, dass man sich im Namen einer angeblichen "göttlichen Gerechtigkeit" des Reichtums des anderen bemächtigen wolle. Die Zurückdrängung der Erscheinungsformen von Extremismus und Gewalt bedeute daher notwendigerweise den Kampf gegen die Armut "durch die Förderung einer gesamtmenschlichen Entwicklung". Paul VI. habe mit Recht Entwicklung als den "neuen Namen für Frieden" bezeichnet.

Der aufmerksame Blick auf das komplexe Phänomen der Armut führe dazu, ihren Ursprung "wesentlich in dem Mangel an Achtung vor der angeborenen Würde des Menschen" zu sehen, so der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog. Umso notwendiger sei eine "globale Solidarität". Diese könne etwa auf einem "gemeinsamen ethischen Kodex" basieren, wie ihn Johannes Paul II. vorgeschlagen habe. Die Normen eines solchen Kodex seien im "Naturgesetz" zu finden, "das vom Schöpfer in das Gewissen eines jeden Menschen eingeschrieben ist".

Armut sei nur dann tragbar, wenn es sich um eine freiwillige, selbst gewählte Armut im Sinne eines einfachen Lebensstils handelt, erinnerte Tauran an die Ausführungen Papst Benedikts XVI. beim letzten Weltfriedenssonntag. "Hunger, Trinkwassermangel, mangelhafte ärztliche Versorgung und unzureichenden Wohnraum, das Fehlen erzieherischer und kultureller Einrichtungen, Analphabetismus" habe der Papst als zu bekämpfende Armut bezeichnet.

In verschiedenen Teilen der Welt seien Christen und Muslimen von der Toleranz bereits zur Begegnung forgeschritten, stellte der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog im Hinblick auf die Notwendigkeit des gemeinsamen Einsatzes gegen die Armut fest. Wörtlich betonte Kardinal Tauran abschließend: "Wenn man allen den Reichtum zur Verfügung stellt, der vom Gebet, dem Fasten und der Nächstenliebe der einen und der anderen ausgeht, ist es dann nicht vielleicht möglich, dass der Dialog die lebendigen Kräfte derer mobilisiert, die auf dem Weg zu Gott sind? Der Arme stellt eine Anfrage an uns, fordert uns heraus; vor allem aber lädt er uns ein, für eine edle Sache zusammenzuarbeiten: seine Armut zu besiegen!"

Das Fest des "Fastenbrechens" (Id-al-Fitr) fällt heuer auf den 19./20. September (durch einen kalendarischen Zufall wird zeitgleich auch das jüdische Neujahrsfest begangen).

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