DER STANDARD-Kommentar "Zum Umverteilen verurteilt"

von Günther Oswald

Wien (OTS) - In Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist man über jede positive Nachricht froh. Die Umverteilung zwischen Hoch- und Niedrigverdienern funktioniert in Österreich einigermaßen, zeigt eine aktuelle Wifo-Studie. Das ist erfreulich. Bei den Ärmsten machen die staatlichen Hilfsleistungen sogar mehr als 80 Prozent des Gesamteinkommens aus. Beeindruckend eigentlich.
Man könnte die Medaille aber auch von der anderen Seite betrachten. Viele Menschen verdienen so wenig, dass sie ohne den Staat gar nicht überleben können. Jetzt, in Zeiten der Krise, üppige Lohnabschlüsse zu fordern, ist illusorisch. Aber es zeigt sich, dass die Arbeitnehmer in den guten Zeiten zu wenig vom Kuchen abbekommen haben. Seit Jahren wird beispielsweise über eine Forcierung von Modellen zur Mitarbeiterbeteiligung diskutiert. Passiert ist bisher nichts. Auch im aktuellen Regierungsprogramm findet sich das Vorhaben. Bleibt abzuwarten, ob dieses Mal etwas geschieht.
Und noch etwas zeigt sich: Zum Teil gehen die Einkommenseinbußen auf die steigende Zahl von atypisch Beschäftigten zurück (also Teilzeit, geringfügig Beschäftigte, neue Selbstständige etc.). Keine Frage: Bei der sozialrechtlichen Absicherung dieser Mitarbeiter ist viel passiert - Stichwort Arbeitslosenversicherung. Es bleibt aber noch einiges zu tun: Viele Teilzeitbeschäftigte wollen gar nicht Teilzeit arbeiten. Berufseinsteiger müssen oft jahrelang warten, bis sie angestellt werden, oder werden mit Praktika abgespeist. Gelingt es, die Bedürfnisse der Arbeitnehmer an die Arbeitsrealität anzupassen, bräuchten viele den Sozialstaat gar nicht.

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