Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Die lustige Enquete"

Ausgabe vom 18. September 2009

Wien (OTS) - Die ORF-Enquete im Parlament war keineswegs nur langweilig und perspektivenarm. Man konnte auch öfters herzlich lachen.

Etwa darüber, dass ausgerechnet (und natürlich: ausschließlich) die Grünen es wagten, die Berichterstattung des ORF als ausgewogen zu bezeichnen, und zwar mit der Begründung, dass dort alle Parteien zu Wort kämen. Was ja stimmt. Nur zeigt der ORF bei den politikerfreien Themen eine massive Vorliebe für grüne Brillen. Und grüne Politiker werden im ORF in devoter Hofberichterstattungsmanier interviewt, wohingegen die anderen Parteien, vor allem die drei rechts der Mitte, mit grünen Stereotypen attackiert werden. Siehe etwa das aggressive Verhör von Bundes- und Vizekanzler, weil sie Missbräuche des Asylrechts abstellen wollen.

Noch lustiger als die Grünen war ein internationaler Privatfernseh-Lobbyist, der - ganz ohne Ironie - die Zuhörer mit "Abgeordnete und Abgeordnetinnen" begrüßte.

Heiter war auch der ORF-Lobbyismus, der uns einreden wollte, nur wegen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gebe es Sportübertragungen. Als ob die Privatsender keinen Sport übertragen würden. Die Sport-Rolle des ORF ist eine einzige: Er macht mit den Beitrags-Millionen die Gebühren-Lizitation für die Übertragungsrechte zu einer sehr teuren Sache. Was nur die Sportfunktionäre freut.

Amüsant war auch ein Verleger - welcher eigentlich alle Zeitungen Österreichs vertreten sollte -, der an die Spitze seiner Wortmeldung (in einer ORF-Enquete!) eine Polemik gegen die Existenz der "Wiener Zeitung" stellte. Diese war zwar nicht Thema der Veranstaltung, aber das Motiv des guten Mannes ist offenkundig: Die Media-Analyse-Quote einer von ihm reformierten Zeitung war vor seinem segensreichen Eingreifen um die Hälfte höher. Daher: Weg mit der Konkurrenz!

Im ernsthaften Teil der Veranstaltung wurde das doppelte Problem der Fernseh-Marktordnung ziemlich klar: Zum einen agiert der ORF alles andere als sparsam, weiß aber perfekt zu jammern. Zum anderen kämpfen die Privaten auf einem extrem schiefen Spielfeld gegen den Riesen:
Wenn sie (alle zusammen!) nun vom Staat Geld in der Höhe von einem Prozent (!) der Gebühren-Einnahmen des ORF bekommen, dann kann das wohl niemand ernsthaft für faire Konkurrenzbedingungen halten.

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