Leitl fordert EU-Chefs auf, Reform des Finanzsystems rasch die in Tat umzusetzen

WKÖ-Präsident fordert konkrete Ansätze für die Gründung einer Europäischen Ratingagentur

Wien (OTS/PWK684) - "Wenn die Reform des Finanzsystems nicht beschleunigt wird, dann könnte die nächste Finanzkrise bald ins Haus stehen", warnt Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl im Vorfeld des Sondergipfels der EU-Staats- und Regierungschefs heute, Donnerstagabend, in Brüssel. Die wichtigsten Ziele einer internationalen Finanzmarktreform sind für die WKÖ die Stärkung der Stabilität des Finanzsystems, die Verminderung der Prozyklizität bei den Eigenkapitalvorschriften für die Kreditwirtschaft (Basel II) sowie die Gründung einer Europäischen Ratingagentur.

"Obwohl bereits die Regulierung von Ratingagenturen angegangen wurde, sind konkrete Ansätze für die Gründung einer Europäischen Ratingagentur, die von vielen als sinnvoll und richtig gesehen wird, weit und breit nicht zu sehen", kritisiert Leitl. Große internationale Ratingagenturen haben durch ihre Fehleinschätzung von Risiken bei hochkomplexen Finanzprodukten zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen: "Nur eine unabhängige Europäische Ratingagentur kann die Chancen und Risiken in Europa seriös einschätzen."

In Österreich haben die Forderungen der WKÖ nach Maßnahmen zur Abfederung der prozyklischen Wirkungen von Basel II bereits Früchte getragen: Gemeinsam mit dem Finanzministerium, der FMA und der Nationalbank wurde diese Woche ein Paket geschnürt, dessen Kern ein längerer Beobachtungszeitraums bei der Bonitätsbewertung ist. "Damit wird der gesamte Konjunkturzyklus berücksichtigt und werden die gefürchteten prozyklischen Effekte erheblich gemildert und damit finanzierungsverträglich gestaltet. Nun muss auch auf europäischer Ebene endlich etwas geschehen", appelliert Leitl an die EU-Chefs. "Wir können Basel II nicht abschaffen, aber wir müssen gemeinsam eine drohende Kreditverknappung und -verteuerung verhindern", weiß sich Leitl mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel auf einer Linie.

Auch wenn das Licht am Ende des Tunnels immer heller wird, ist die Wirtschaftskrise noch nicht überstanden: "Es gibt noch viele Unsicherheiten im Hinblick auf eine nachhaltige Trendwende." Deshalb setzt sich die WKÖ neben der Reform von Basel II in Österreich auch für die Abschaffung der Kreditvertragsgebühr ein: "Beide Maßnahmen können erheblich dazu beitragen, die Unternehmensfinanzierung zu stabilisieren und einen Anstieg der Finanzierungskosten zu verhindern", so Leitl abschließend. (FA)

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