Provenienzforschung im Museum für Völkerkunde und im Technischen Museum in Wien

Rückgabe von Objekten aus den Beständen des Museums für Völkerkunde und des Technischen Museums an die Ukraine im Rahmen eines Festaktes

Wien (OTS) - Im Rahmen einer feierlichen Übergabe am 17. September 2009 restituiert das Museum für Völkerkunde eine Sammlung von Stickereien krimtatarischer und karäischer Provenienz an die Ukraine. Gleichzeitig findet die offizielle Rückgabe der so genannten "Russenbriefe" aus dem Archiv des Technischen Museums in Wien statt.

Das Museum für Völkerkunde restituiert eine Sammlung von Textilien, die während des Zweiten Weltkriegs entzogen worden sind, an die Ukraine. Der Direktor des Museums für Völkerkunde Dr. Christian Feest und die Provenienzforscherin Dr. Gabriele Anderl sowie die Archivarin Mag. Ildiko Cazan sind seit dem Jahr 2005 mit diesem Fall befasst und haben sich seither nachdrücklich für eine Rückgabe eingesetzt. Es handelt sich um mehrere Dutzend Objekte wie Tücher, Wandbehänge, Beutel und Strumpfbänder, zumeist aus Samt, die mit Fäden aus Gold und in leuchtenden Farben bestickt sind. Sie wurden während des Zweiten Weltkriegs in Simferopol (Krim) von Fritz Manns, Kustos am Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums in Wien, "sichergestellt" und anschließend dem Museum für Völkerkunde in Wien übergeben. Ursprünglich stammen sie von zwei ethnischen bzw. religiösen Minderheiten: von den Krimtataren, einem Turkvolk islamischen Glaubens, und von den Karäern, einer jüdischen Sekte. Die Stickereiensammlung soll nun dem Bachtschisaray-Palast-Museum auf der Krim übergeben werden. Ehemals der Palast der krimtatarischen Khane, ist es heute ein ethnographisches Museum und eine Art kulturelles Zentrum der Krimtataren.

Bei dem Bestand der so genannten "Russenbriefe" handelt es sich um rund 1200 private Briefe und Korrespondenzkarten aus dem Archiv des Technischen Museums Wien. Die Briefe datieren aus der Zeit der deutschen Besetzung der Ukraine im Juni und Juli 1941 und stammen größtenteils von ermordeten oder geflüchteten Bewohnern der westukrainischen Stadt Kamenez Podolski. Diese Korrespondenz gelangte bereits im folgenden Jahr nach Wien in das Österreichische Post- und Telegraphenmuseum und wird nun, ebenfalls im Rahmen des Festaktes, an die ukranische Regierung zurückgegeben. Unter der Leitung der Direktorin des Technischen Museums, Dr. Gabriele Zuna-Kratky, waren seit Beginn der Provenienzforschung im Jahr 1999 der Sammlungsleiter Dr. Helmut Lackner und die Historiker Dr. Christian Klösch und Dr.Oliver Kühschelm bemüht gewesen, die fraglichen Fälle exakt zu prüfen und diese möglichst rasch einer Lösung bzw. Restitution zuzuführen.

Die Übergabe erfolgt seitens der beiden Museen und in Anwesenheit von Vertretern des BMUKK u BMeiA an den ukrainischen Botschafter s.E. Yevhen CHORNOBRYVKO.

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