Kärnten braucht stärkeren Fokus bei Förderungen

Klagenfurt (OTS) - Mehr Nachhaltigkeit bei der Mittelvergabe: So lautet das Ziel des KWF Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds. Vor allem Innovationen und Human Capital sollen in den kommenden Jahren verstärkt unterstützt werden.

Geht es nach dem KWF Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds, braucht Kärnten dringend ein Umdenken in der Förderpolitik - hin zu mehr Qualität statt Quantität. "Wir müssen unsere definierten Stärkefelder zielgerichteter fördern", sagt KWF-Vorstand Hans Schönegger. "Maßnahmen der Wirtschaftsförderung dürfen nicht nur für einzelne Betriebe positive Wirkung haben, sondern für die gesamte Kärntner Volkswirtschaft". Der KWF forciert daher eine stärkere Fokussierung auf die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie Human Capital.

"Politische Konzepte gehen an der Wirklichkeit vorbei"

Dem stimmte am Dienstag, 15. September 2009, auch die Expertenrunde beim "1. KWF-Wirtschaftsdialog" zu. Peter Filzmaier von der Donau Universität Krems sieht vor allem zwei Grundprobleme, die aus dem Versuch der Politik Stimmen zu gewinnen, resultieren:
"Einerseits ist es die Gießkanne, die nach dem Prinzip 'Wenn ich allen etwas gebe, bekomme ich schon ein paar Stimmen' eingesetzt wird. Andererseits aber auch die Klientelpolitik. Hierfür werden vor allem zweckgebundene Zusatzbudgets verwendet, die dann nur sehr schwer zielgerichtet verteilt werden können".

Unterstützung erhält Filzmaier von seinem Kollegen Stefan Schleicher von der Karl-Franzens-Universität Graz: "Die politischen Konzepte gehen derzeit an der Wirklichkeit vorbei. Die Politik muss sich der aktuellen Situation stellen und sich fragen, wie künftig gefördert werden soll. Überleben werden ohnehin nur die Unternehmen, deren Produkte für die Gesellschaft einen Nutzen haben. Bestehendes einfach zu prolongieren ist heikel".

Die Experten stimmen zwar überein, dass dies keine Kärnten-spezifischen Probleme sind, trotzdem braucht auch Österreichs südlichstes Bundesland eine langfristige Strategie, "die man dann auch durchhalten muss", so Filzmaier. Auch Günther Karner von der Trigon Entwicklungsagentur bestätigt, dass es "durch die Krise noch keine Entscheidungen zu Änderungen gab, sondern nur eine reine Durchtauch-Strategie".

Strategische Grundausrichtung für Kärnten

Jochen Pildner-Steinburg (Grazer Armaturen Werk und Präsident der IV Steiermark) sieht die Hauptaufgabe in der Förderpolitik aktuell darin, Stärkefelder auszumachen und zu überlegen, wie diese am effizientesten unterstützt werden können. "Dafür muss sich Kärnten aber zuerst klar werden, was man sein will - Industrie- oder Tourismusland?"

Für Robert Kanduth, Geschäftsführer von GreenOneTech, ist diese Frage bereits geklärt: "Rund 55 Prozent der Kärntner Wertschöpfung kommen aus der Industrie. Wir brauchen dort die Leitbetriebe, denn von diesen leben viele kleine Unternehmen". Dies bestätigt auch Pildner-Steinburg, der auf eine Studie der Industriellenvereinigung verweist, wonach die 47 Leading Competence Units in Österreich über neun Prozent der Wertschöpfung generieren und 103.000 Personen Arbeit bieten. Zudem werden 265.000 Arbeitsplätze in vor- und nachgelagerten Bereichen geschaffen. Kanduth sieht vor allem im Bereich "Erneuerbare Energien" großes Potential für Kärnten.

Aufholbedarf gibt es aber auch im Bereich Infrastruktur. Roula Millauer, Vorstandsdirektorin bei Chemson, sieht gerade hier ein Problem, neue Mitarbeiter zu gewinnen: "Ein Stärkefeld von Kärnten ist die Lebensqualität, aber es fehlt in vielen Bereichen noch an Infrastruktur wie etwa bei der Verkehrsanbindung per Bahn oder Luftfahrt oder bei Schulen mit internationaler Ausrichtung".

Generell nehmen im Bildungsbereich die Probleme für Kärnten zu. Jedes Jahr verlassen viele junge Kärntner das Land um zu studieren. Im Gegenzug übt die Universität Klagenfurt mit rund 10% an auswärtigen Studierenden nur wenig Anziehungskraft auf Maturanten aus anderen Bundesländern aus. "Dieser Negativbilanz an 'klugen Köpfen' gilt es gezielt entgegenzuwirken", so KWF-Vorstand Erhard Juritsch abschließend.

Die Diskussion zum Nachhören: www.kwf.at/wirtschaftsdialog

Rückfragen & Kontakt:

KWF Kärntner Wirtschaftsförderungs Fonds
Heuplatz 2, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
Tel.: (0463) 55 800-18
E-mail: fladnitzer@kwf.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | EUP0001