"KURIER"-Kommentar von Reinhard Göweil: Manager sind nicht jeden Preis wert"

Für 21 Millionen Arbeitslose in Europa sind Manager-Gagen unverständlich.

Wien (OTS) - Beim heutigen EU-Sondergipfel, der sich auf die künftige Welt-Finanzmarktkontrolle vorbereitet, wird es auch um die Begrenzung von Manager-Bezügen gehen. Das löst zwar nicht das Problem, wie künftige Krisen bewältigt werden können, ein lohnendes Thema ist es allemal. Die Vorschläge des wiedergewählten Kommissionspräsidenten Barroso entsprechen dabei nicht dem von ihm zitierten "solidarischen Europa". Millionen-Abfertigungen und Bonus-Zahlungen in astronomischen Höhen sind für die vielen Arbeitslosen in Europa nicht unbedingt vertrauensbildend. Auf der anderen Seite sind auf erfolgsabhängige Gehaltsbestandteile ein Instrument, um Manager anzuspornen. Sie einfach abzuschaffen, wäre Unsinn.
Die Frage lautet aber: Was ist Erfolg? Eine Fabrik zu schließen und mit dem eingesparten Geld den Unternehmensgewinn zu erhöhen, mag für Aktionäre ein Erfolg sein, für die Beschäftigten sicher nicht. Mit spekulativen Geschäften kurzfristig Profit zu machen, mag eine Bonuszahlung ans Management auslösen, aber ein nachhaltiger Erfolg ist das nicht.
Dazu kommt, dass das Risiko für Manager bisher recht überschaubar war: Erfolglose Manager werden mit hohen Abfertigungen aus ihrem Amt entfernt. Von Rückzahlungen hat man bisher nichts gehört. Solche Zahlungen an die leitenden Mitarbeiter eines Unternehmens sind bisher fast ausschließlich den Erfolg für Aktionäre gekoppelt. Ob dabei die Umwelt geschädigt, sichere Arbeitsplätze vernichtet, oder die Welt in eine Krise gestürzt wird, interessierte bisher niemand. Und die jüngste Entwicklung etwa in der Londoner City zeigen, dass es bereits wieder fröhlich losgeht.
Die Manager-Bezüge in absoluten Zahlen nach oben zu begrenzen, mag schwierig sein. Aber ist der Chef der Deutschen Bank tatsächlich 14 Millionen Euro jährlich wert? Nein. Also sollte es wohl irgend etwas geben müssen, um exzessive Gagen zu verhindern.
Eine Möglichkeit wäre also - wie ohnehin diskutiert wird -Bonuszahlungen auf nachhaltige Erfolge abzustellen. Manager bekommen in der Regel einen 5-Jahres-Vertrag. Was spricht dagegen, wenn erst nach fünf Jahren das Tun eines General- oder Vorstandsdirektors unter die Lupe genommen wird und dann ein Bonus ausgeschüttet wird? Oder etwa andere Dinge belohnt werden, als relativ einfallslos linear Kosten zu kürzen? Die Schaffung von Arbeitsplätzen etwa.
Die Gier nach den hohen Prämien hat die Finanzkrise mit ausgelöst:
Manager, Banker, Händler haben versucht, möglichst hohen Profit zu machen, um selbst möglichst viel zu verdienen. Dieses System krachte zusammen, und kostet die Steuerzahler weltweit einen vierstelligen Milliarden-Betrag.
Zum wirtschaftlichen Handeln gehört Risiko, und die richtige Einschätzung eines Risikos kann auch belohnt werden. Aber derzeit trägt der Steuerzahler das Risiko, die Manager dagegen tragen Maßanzüge.

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