ORF-Doku Verfolgt, verschleppt, vernichtet im Parlament präsentiert Prammer einmal mehr für Rehabilitation von Wehrmachtsdeserteuren

Wien (PK) - Am 1. September 2009 jährte sich zum 70. Mal der Tag, an dem die deutsche Wehrmacht unter Adolf Hitler Polen überfiel und damit den Zweiten Weltkrieg, die größte Katastrophe des 20. Jahrhunderts, entfesselte. Aus diesem Anlass strahlt der ORF dieser Tage die fünfteilige Fernsehdokumentation "Der Zweite Weltkrieg" aus. Heute Abend präsentierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf Einladung von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer im Parlament den 4. Teil der Serie, der unter dem Titel "Verfolgt, verschleppt, vernichtet" am Donnerstag, dem 17. September, um 21.05 Uhr in ORF 2 zu sehen sein wird.

Der Film zeigt den Weg, den die Nazis vom Feindbildaufbau bis zum industriellen Massenmord gingen, macht die Zusammenhänge zwischen Kriegsführung und Vernichtungsmaschinerie, zwischen Euthanasie und der medizinischen Versorgung der Verwundeten deutlich und zeichnet die Entwicklung von den ersten Gasmorden bis zum industrialisierten Massenmord in Auschwitz, von tödlichen Medizinexperimenten bis zur Vernichtung durch Arbeit in der Rüstungsindustrie nach. Sichtbar wird ein politisches System, das menschliches Leben einer erbarmungslosen Kosten-Nutzen-Rechnung unterzog.

Durch den Abend führte TV-Hauptabteilungsleiterin Gisela Hopfmüller-Hlavac, zu Wort kamen auch Filmgestalter Tom Matzek und Zeitzeugin Irma Trksak sowie Generalsekretärin Hannah Lessing vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, der das Film- und DVD-Projekt gemeinsam mit Cine-Styria förderte sowie der Geschäftsführer Nikolaus Wisiak vom Koproduzenten pret-tv.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer gab ihrer Freude über die gut gelungene Dokumentation Ausdruck, die auf eine differenzierte Weise Einblick in die Wirklichkeit eines Terrorregimes gebe und hoffentlich zu weiterführenden Diskussionen anrege. In diesem Zusammenhang rief die Nationalratspräsidentin dazu auf, die allerletzte Chance zu nützen, um Wehrmachtsdeserteure und Kriegsdienstverweigerer zu rehabilitieren. "Ich bin guter Dinge, dass wir bis Ende dieses Jahres Maßnahmen setzen, die wir schon früher hätten setzen müssen", sagte Barbara Prammer in diesem Zusammenhang und erteilte allen Versuchen, aus einem Unrechtsregime Recht abzuleiten, eine klare Absage. Die Präsidentin bedankte sich bei den Gestaltern der Dokumentation, ganz besonders aber bei den Zeitzeugen, sie nannte stellvertretend Irma Trksak, die trotz ihres fortgeschrittenen Alters immer bereit sei, als Zeitzeugin aufzutreten und Auskunft zu geben. "Wir haben ihre Botschaft verstanden", schloss die Nationalratspräsidentin.

ORF-Informationschef Elmar Oberhauser stellte - wenige Tage vor der ORF-Enquete im Nationalrat - die Doku-Serie "Der Zweite Weltkrieg" als einen Beweis dafür vor, dass der ORF seinem öffentlichen Auftrag trotz schärfster Konkurrenz und härtesten Sparmaßnahmen glaubwürdig nachkomme. "Der öffentliche Rundfunk ist kerngesund, vital und unabhängig wie nie zuvor", sagte Oberhauser und verwies auf das Lob von Historikern für die zeitgeschichtlichen Dokumentationen des ORF, die einen wichtigen und erfolgreichen Teil seiner Informationsarbeit ausmachten und seine journalistische und wissenschaftliche Kompetenz unter Beweis stellten. Für die Zukunft kündigte Oberhauser zum Thema Zeitgeschichte einerseits eine Serie über die Bundeskanzler der Zweiten Republik sowie darüber an, wie die Zweite Republik mit den NS-Opfern umgegangen sei.

ORF-Generalsekretär Alexander Wrabetz erinnerte auch an den ORF-Zeitgeschichte-Schwerpunkt "1938" vom Vorjahr, dankte seinerseits den Zeitzeugen für ihre Mitarbeit herzlich und kündigte an, sich von Seiten des ORF auch künftig in Form qualitativ hochwertiger Dokumentationen mit der jüngeren Geschichte Österreich auseinanderzusetzen. Im Hinblick auf den heute präsentierten 4. Teil der Serie "Der Zweite Weltkrieg" ging Wrabetz auf die katastrophale Rolle der nationalsozialistischen Medien bei der Produktion von Feindbildern ein und erinnerte daran, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Absicht eingerichtet wurde, um der Feindbildproduktion via Medien einen Riegel vorzuschieben.

Verfolgt, verschleppt, vernichtet - der Krieg nach innen

Tom Matzeks Film erzählt die Geschichten der Lehrerin Irma Trksak, des Bauern Johann Gschwandtner und des Fußballers Norbert Lopper, die Opfer des Rassenwahns wurden, weil sie nicht dem deutschen ("arischen") Rassenideal entsprachen und im Krieg der "Herrenmenschen" gegen die "Untermenschen" verfolgt, verschleppt und vernichtet werden sollten.

"Ich habe nicht geglaubt, dass ich wieder raus komme, ich habe faktisch mit dem Leben abgeschlossen", erzählt der 90-jährige Norbert Lopper, der die Vernichtungsmaschinerie in Auschwitz überlebte. Lopper war ein talentierter Wiener Fußballer der dreißiger Jahre -und wurde deportiert, weil er aus einer jüdischen Familie kam.

"Ich war auf einmal nicht mehr die Irma Trksak, ich war nur mehr die Häftlingsnummer 14177. Ich war kein Mensch mehr, nur mehr eine Nummer, als ich ins Lager kam." - Irma Trksak kam ins KZ Ravensbrück, weil sie als Slawin nach der NS-Rassenlehre als minderwertig und als aktive Sozialdemokratin als politisch gefährlich galt. Frau Trksak entkam der Gaskammer - die Todesgefahren in den verschiedensten Arbeitskommandos erlebte sie jedoch ebenso hautnah wie medizinische Experimente.

"Mir zeigt sich das Bild eines gesunden Menschen, der durch eine unglückliche Liebe einen Nervenzusammenbruch erlitt und aus diesem Teufelskreis nicht mehr herauskam." So beschreibt Martin Gschwandtner seinen Onkel Johann, der ein Opfer der NS-Medizin wurde. Johann Gschwandtner, ein Salzburger Bauer, war Psychiatriepatient und wurde 1941 nach Schloss Hartheim verschleppt. Dort wurde er vergast - als sogenanntes "unwertes Leben".

Die Lebens- und Leidenschichten Johann Gschwandtners, Irma Trksaks und Norbert Loppers stehen repräsentativ für viele Opfergruppen des NS-Terrors. Wer einmal zum Feindbild stigmatisiert war, hatte nur geringe Überlebenschancen. Das Töten sogenannter Untermenschen blieb im NS-Staat sanktionsfrei, es war "Dienst an der Gesellschaft der Herrenmenschen" und brachte Beförderung. Das war der "Krieg nach innen", den das NS-Regime laut SS-Reichsführer Heinrich Himmler neben dem Unterwerfungskrieg nach außen zu führen habe - Millionen Menschen, ob rassisch verfolgt oder medizinisch selektiert, fielen diesem Krieg zum Opfer.

Die ORF-Dokumentationsserie "Der Zweite Weltkrieg" wurde in der Reihe "Menschen&Mächte" am 1. September 2009 mit Andreas Novaks Dokumentation "Hitlers Blitzkriege" eröffnet. Am 3. September 2009 war Robert Gokls "Sterben für Hitler" und am 10. September Peter Liskas "Die Ungehorsamen" zu sehen. Am kommenden Donnerstag folgt um 21.05 Uhr in ORF 2 Tom Matzeks "Verfolgt, verschleppt, vernichtet". Eine Woche später wird zur selben Sendezeit am Donnerstag, dem 24. September, Tom Matzeks "Gipfelstürmer und Wüstenfüchse - Abenteurer und Forscher in Hitlers Diensten" die Reihe abschließen. Diese Dokumentation zeigt Abenteurer und Forscher wie Eiger-Nordwand-Erstbesteiger Heinrich Harrer, Kaukasus-Pionier Rudolf Schwarzgruber oder den altösterreichischen Sahara-Kenner Ladislaus Almasy, die vom NS-Regime propagandistisch benutzt, als Soldaten in Sonderkommandos oder als Spione in Afrika oder Zentralasien eingesetzt wurden. (Schluss)

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