"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bankrott des Gier-Systems" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 12. September 2009

Innsbruck (OTS) - Der Lehman-Flächenbrand ist weit gehend gelöscht. Sicherheit für die Zukunft gibt es aber noch nicht.

Der 15. September 2008 war einer der schwärzesten Tage der Wirtschaftsgeschichte. Er brachte mehr als die Pleite der traditionsreichen Investmentbank Lehman Brothers, er sorgte für das Ende der Wall Street, wie man sie vorher kannte. Die Lehman-Pleite sorgte für Schockwellen, welche die Finanzkrise dramatisch zuspitzten und das Vertrauen in die Bankenwelt erschütterten. Als Folge drohte die gesamte Weltwirtschaft ins Chaos zu stürzen.
Ein Kollaps konnte durch das Schnüren von beispiellosen staatlichen Milliardenprogrammen verhindert werden, nicht aber die schärfste Rezession in der Nachkriegszeit. Weltweit haben sich Staaten bis über beide Ohren verschuldet, Millionen Menschen verloren als Folge der Krise ihre Arbeit.

Ob sich die globalen Rettungsaktionen gelohnt haben (immerhin werden die Steuerzahler daran noch lange zu knabbern haben), wird die Geschichte weisen. Sie waren jedenfalls nicht erfolglos: Die Konjunktur springt in immer mehr Branchen und Ländern wieder an. Kräftiger und früher, als Experten noch kürzlich vorausgesagt hatten. Die Kassandras, die Hyperinflation, Staatsbankrotte und einen deflationären Zusammenbruch des Wirtschaftssystems vorausgesagt haben, werden seltener.

Ein Jahr nach der Lehman-Pleite mag das Ärgste überstanden sein. Sicherheit, dass Ähnliches nicht wieder passiert, gibt es aber nicht. Dafür waren die seither getroffenen Regelungen, wie Fesseln für ungezügelte Finanzmärkte, viel zu schwachbrüstig. Lehman war aber kein Betriebsunfall, sondern eine Bankrotterklärung für das Gier-System.

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