Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Jubelnd in den Abgrund"

Ausgabe vom 12. September 2009

Wien (OTS) - Viele europäische Politiker rühmen stolz die sogenannte Opel-Rettung. Doch findet sich kein einziger unabhängiger Experte, der dem Jubel zustimmt. Vielmehr ist Opel ein Symbol des Abgrunds, dem sich Europa im Expresstempo nähert. Die zarten Signale eines Krisenendes bedeuten ja keineswegs einen neuen Konjunkturboom. Vielmehr dürfte sehr bald der Krise zweiter Teil folgen.

Die Katastrophe ist eine vielfache:

1. In der Autobranche hat es schon vor der Krise gewaltige Überkapazitäten gegeben, die eigentlich in jedem Fall abgebaut werden müssten. Europas Fabriken können viel zu viele Fahrzeuge bauen, die nie eine Chance auf Käufer finden.

2. Die Chance, dass ausgerechnet die eher mittelmäßige Marke Opel in diesem Überlebenskampf zu einem Sieger wird, ist geringer als beim Lotto.

3. Noch geringer ist die Chance, dass Opel ohne weitere Subventionen überleben und zugleich die jetzigen Milliardenkredite zurückzahlen kann.

4. Es ist kein Zufall, dass schon einen Tag nach der teuren Opel-"Rettung" die SPD bereits dicke Steuererhöhungspläne präsentiert.

5. Wenn sich schon die deutsche Regierung dem Geldverbrennungs-Wahnsinn nicht entziehen kann, wird Österreich das noch viel weniger können. Prompt werden ja auch bei uns schon Steuergelder (euphemistisch: "Haftungen") zugesagt.

6. Wer sich einmal vom Druck der Opel-Betriebsräte hat erpressen lassen, kann bei Tausenden anderen Firmen nicht mehr nein sagen.

7. Die nunmehr europaweit drohenden Steuererhöhungen werden viele andere an sich lebensfähige Firmen ins Schleudern bringen.

8. Auch ohne Steuererhöhungen zahlen alle anderen Unternehmen für Opel, nämlich durch höhere Zinsen für Bankkredite. Denn die Kreditzinsen sind jetzt schon durch den enormen Geldbedarf der Staaten in die Höhe getrieben worden.

9. Natürlich funktioniert diese teuflische Spirale nicht ewig. Das Ende ist schon in Sicht: Wenn niemand mehr den Staaten Geld borgt; und wenn jede weitere Steuererhöhung die Gesamteinnahmen nur noch reduziert. Weil dann nur noch das Panik-Motto herrscht: Flüchte vor den Steuern, wer kann.

10. Dennoch ist Sparen weiterhin ein Fremdwort: Siehe die Spendier-Bereitschaft des Wiener Rathauses, nur weil eine Stadträtin Herrn Jackson verehrt.

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