ARGE Eigenheim-Obmann Lugger: Staatsverschuldung nicht auf Kosten der Wohnbauförderung sanieren

St. Wolfgang (OTS) - "Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat
innerhalb eines Jahres eine unglaublich hohe Staatsverschuldung zur Folge gehabt. Die nun notwendige Budgetsanierung darf aber keineswegs zu Lasten des geförderten Immobilienmarktes gehen, denn gerade die Gemeinnützigen sind ein enorm stabilisierendes Element", betonte Obmann Prof. Dr. Klaus Lugger bei den 15. St. Wolfganger Tagen" der ARGE Eigenheim.

Über 100 Manager der in der ARGE Eigenheim organisierten VP-nahen gemeinnützigen Bauträger diskutieren alljährlich mit Wissenschaftlern, Politikern, Technikern und Finanzexperten über aktuelle Aufgaben und künftige Herausforderungen im geförderten Wohnbau. Heuer stand die Finanzkrise und deren Auswirkungen nicht nur auf die gemeinnützige Wohnungswirtschaft sondern auch auf deren Kunden im Mittelpunkt.

Lugger: Finger weg von Wohnbauförderung

Lugger sieht den geförderten Wohnbau von Good News und Bad News beeinflusst. Positiv seien geringe Baukosten, niedrige Energiekosten und sehr günstige Bankzinsen. Negativ schlägt sich durch die Krise die steigende Zahl der Kurzarbeiter und Arbeitslosen nieder, das betrifft stark auch unsere Wohn-Klientel", so Lugger.
Vor allem aber befürchtet Lugger, dass bei der Sanierung der Staatsfinanzen auch der geförderte Immobilienmarkt zum Handkuss kommen könnte. Das gilt für Bund und die Länder. Die Delegierten zu den 15. St. Wolfganger Tagen fordern die Politik einhellig auf, "die Finger von der Wohnbauförderung zu lassen und auch die Grundsteuer nicht anzutasten". Vor allem müsse die Zweckbindung der Wohnbauförderung wieder eingeführt werden. Lugger: "Unsere Kunden können nur mit der verfassungsrechtlichen Sicherung der Wohnungsgemeinnützigkeit gut schlafen."

Großruck: Keine Kreditklemme bei Wohnbaufinanzierung

Die Krise brachte eine erhöhte Nachfrage nach sicheren Realwerten, analysierte der frühere ÖVP-Bautensprecher NR Wolfgang Großruck. Durch die Vergünstigung von Wohnbaukrediten für private Haushalte wurde der Immobiliensektor insgesamt attraktiver. Dies gelte insbesondere auch für die gemeinnützige Wohnungswirtschaft. Tatsächlich konnte die gemeinnützige Wohnungswirtschaft ihr Bauvolumen im Jahr 2008 weiter erhöhen, "und es sind derzeit keine Krisenzeichen erkennbar", betonte Großruck.

Unterstützt wird diese positive Einschätzung Großrucks durch die Tatsache, dass es bei der Wohnbaufinanzierung in Österreich derzeit keine Kreditklemme gebe. Auch das staatlich geförderte Bausparen ist weiterhin eine beliebte Anlage- und Finanzierungsform - insbesondere seit mit dem Konjunkturpaket 1 auch die staatliche Förderung angehoben wurde.

Dazu kommt laut Großruck, dass im ersten Halbjahr 2009 die Baukostendynamik abgeflacht ist. Dies wirkte sich positiv auf die Nachfrage nach Immobilien aus. Großruck: "Konjunkturpakete, Steuerreform, das Bankenpaket sowie die Förderung von thermischen Sanierungsmaßnahmen wirken sich ebenfalls günstig auf die heimische Wohnbauwirtschaft aus.

Scharinger: Fristenkonforme Finanzierung wichtig

Dr. Ludwig Scharinger, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, ist davon überzeugt, "dass sich die gemeinnützige Wohnbauwirtschaft künftig nicht nur auf den Neubau konzentrieren wird". Auch Revitalisierungen, thermische Sanierungen und die Entwicklung von Ortskernprojekten zählen seiner Meinung nach künftig zu wichtigen Leistungen der gemeinnützigen Bauträger. "Es geht um die Lebens- und Wohnqualität. Bestehende Gebäude, auch in den Ortszentren, bieten viele neue Nutzungsmöglichkeiten", ist Scharinger überzeugt.

Scharinger verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Notwendigkeit fristenkonformer Finanzierungen: "In der Vergangenheit wurde von manchen Instituten vielfach viel zu wenig Wert auf fristenkonforme Finanzierungen gelegt. Langfristige Finanzierungen wurden kurzfristig finanziert, das hat sich gerächt."

Scharinger strich drei Finanzierungsmöglichkeiten hervor:

  • Kurzfristige Finanzierungen mit Zinscaps,
  • Fixzinsfinanzierungen auf ein bis zwei Jahre mit Kündigungsmöglichkeit, gekoppelt mit Zinscaps,
  • eine sichere, stabile Finanzierung mit Spreads.

Schmidinger: Österreichs Wohnbaufinanzierungssystem krisenfest

Generaldirektor Dr. Josef Schmidinger von der S-Bausparkasse betonte: "Das österreichische Wohnbaufinanzierungssystem hat sich als sehr krisenresistent herausgestellt. Der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft ist dafür ebenso zu danken wie den verschiedenen Instrumenten der Wohnbauförderung. Neben der direkten Vergabe von Wohnbauförderungsmitteln durch die Länder sind das Bauspar- und das Wohnbaubankensystem Garanten für leistbares Wohnen in unserem Land."

Dieses System von Spezialbanken müsse Schmidinger zufolge seinen Anteil zur Krisenabschirmung auch in Zukunft halten können. Die Erhöhung der Bemessungsgrundlage beim Bausparen auf 1.200 Euro hilft das Primärmittelaufkommen der Bausparkassen zu erhöhen. "Ebenso wichtig ist aber der Ausbau des Wohnbaubankensystems für den mehrgeschossigen Wohnbau durch Einbezug der Wohnbauanleihen in die Zukunftsvorsorge und in das System der Pensionskassen und Mitarbeitervorsorgekassen in Österreich", unterstrich Schmidinger.

Stelzer: Mit mehr Wohnbau gegen die Wirtschaftskrise

"Forcierter Wohnbau ist auch eine wichtige konjunkturbelebende Maßnahme und daher ist das Wohnbaupaket des Landes Oberösterreich ein zentraler Bestandteil des oö. Konjunkturprogramms", ist OÖVP-Wohnbausprecher und Klubobmann Mag. Thomas Stelzer überzeugt. Damit wird einerseits den oö. Unternehmen der Rücken gestärkt, Arbeitsplätze werden gesichert und neuer, moderner Wohnraum entsteht.

Konkret wird im Rahmen des Wohnbaupakets, das auf Initiative von Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer geschnürt wurde, die Bauleistung im heurigen Jahr von 2.000 auf 3.000 Wohneinheiten aufgestockt. Gesondert gefördert werden auch Sanierungen. Erstmals gibt es für eine Sanierung sogar 1.000 Euro bar auf die Hand. Damit möglichst viele Eigentümer eine Sanierung in Angriff nehmen, wurden die Einkommensgrenzen abgeschafft.

Die gesetzten Maßnahmen greifen: So wurde die Sanierungsförderung aufgrund der großen Nachfrage bereits um ein halbes Jahr verlängert.

Teuschl:

Teuschl: "Der Österreichische Wohnungsmarkt blieb von einer Immobilienkrise bisher verschont und einen wesentlichen Anteil daran haben die Gemeinnützigen", diagnostizierte Dir. Ing. Dr. Herbert Teuschl, Obmannstellvertreter der Gemeinnützigen Österreichs. Denn die starke gemeinnützige Wohnungswirtschaft mit 520.000 Miet- und 300.000 Eigentumswohnungswohnungen sei ein entscheidender Stabilitätsfaktor, der auch Spekulationen verhindere.

Um so wichtiger bleibe laut Teuschl die Langfrist- und Gemeinwohlorientierung als Geschäftsmodell der gemeinnützigen Bauträger. Dazu komme die Arbeitsplatzsicherung durch eine stabile Neubauproduktion und Wohnraumsanierung. Deshalb benötige Teuschl zufolge der Konjunkturmotor Wohnbau auch 2010 und 2011 erhöhte Förderungsmittel durch die öffentliche Hand. Konjunkturpakete müssten daher auch den Wohnbau im Auge haben, denn dieser schaffe nicht nur leistbaren Wohnraum, sondern sichere auch Tausende Arbeitsplätze.

Teuschl: "Auch wir gemeinnützige Bauvereinigungen sind gefordert, dazu kreative Beiträge zu leisten". Insbesondere die thermische Sanierung verbinde hohe Beschäftigungseffekte mit langfristig positiven ökologischen Auswirkungen: Energieeinsparung, Erreichung der Kyoto-Ziele und Entlastung der Leistungsbilanz.
Um in allen Gebäuden Niedrigenergiestandards zu erreichen, müssten über 30 Jahre hinweg jährlich 1,5 Milliarden Euro investiert werden.

Rückfragen & Kontakt:

Prof. Dr. Klaus Lugger
Obmann der ARGE Eigenheim
Tel. +436502004505, lugger@nht.co.at
www.nht.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0007