AKNÖ: Muttersprachlicher Unterricht in NÖ ein Stiefkind

Haneder: "Niederösterreich verpasst hier eine große Chance"

Wien (OTS/AKNÖ) - Der muttersprachliche Unterricht für Kinder mit Migrationshintergrund ist in Niederösterreich offenbar ein Stiefkind. Er wird von deutlich weniger Kindern besucht als etwa in Oberösterreich und der Steiermark. AKNÖ-Präsident Hermann Haneder kritisiert: "Zwei Nachbarbundesländer haben im Vergleich zu Niederösterreich das Fördersystem stärker ausgebaut."

Jeder neunte Schüler mit einer anderen Erstsprache als Deutsch bekommt in Niederösterreich muttersprachlichen Unterricht. In der Steiermark und in Oberösterreich ist es jeder fünfte. "Seit mehreren Jahren ist der muttersprachliche Unterricht Angelegenheit der Landesschulräte. In Oberösterreich und der Steiermark ist das Angebot ausgebaut worden, in Niederösterreich passiert wenig", erklärt AKNÖ-Bildungsexperte Günter Kastner. Das zeigt sich auch an der Anzahl der Schulen, an denen diese Freistunden angeboten werden. "Die Steiermark mit deutlich weniger Einwohnern und einer ähnlichen Bevölkerungsstruktur wie Niederösterreich hat beinahe so viele Schulstandorte mit muttersprachlichem Unterricht wie Niederösterreich. Oberösterreich mit etwa gleich viel Einwohnern wie Niederösterreich hat fast doppelt so viele."

Nur mit der etwas ländlicheren Besiedelung in Niederösterreich alleine ließen sich diese Unterschiede nicht erklären, ist Kastner überzeugt: "In der Steiermark und in Oberösterreich ist es den jeweiligen Landesschulräten anscheinend wichtiger, diesen Unterricht anzubieten. Das sieht man auch daran, dass sie die Mindestschülerzahlen für die Kurse besser an die Gegebenheiten anpassen als das in Niederösterreich der Fall ist".
Haneder: "Muttersprachlichen Unterricht forcieren"
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder plädiert, den muttersprachlichen Unterricht in Niederösterreich zu forcieren: "Alle wissenschaftlichen Studien belegen, dass es Kindern, die ihre Muttersprache gut können, wesentlich leichter fällt, eine andere Sprache zu lernen. SchülerInnen aus Familien mit Migrationshintergrund nur Deutsch lernen zu lassen, ist ein veraltetes Konzept und eine Einbahnstraße. Fakt ist: Je besser ein Kind die Sprache seiner Familie spricht und schreibt, desto leichter lernt es in der Schule. Nicht nur in Deutsch, auch in den anderen Fächern. Außerdem sollte es langsam an der Zeit sein, dass wir Zweisprachigkeit auch als Vorteil betrachten."

Haneder fordert, dass die Mindestschülerzahlen in Niederösterreich für den muttersprachlichen Zusatzunterricht flexibler gehandhabt werden. "Das würde mehr Kindern ermöglichen, diese zwei Stunden pro Woche zu besuchen. Außerdem ist eine bessere Information der Eltern gefragt", sagt der AKNÖ-Präsident. Das wäre auch ein erster Schritt zur österreichweiten Reform des Bildungswesens: "Wir haben laut OECD sehr hohe Ausgaben im Schulwesen und gleichzeitig mit 21 Prozent eine sehr hohe Bildungs-Dropout-Rate bei den 15- bis 19-Jährigen. Unter diesen ist der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich hoch. Gerade diese Gruppe müssen wir fördern, um ihre Potentiale besser zu nutzen", sagt Haneder.

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