"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Steinhuhn in Stein gemeißelt" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 10. September 2009

Innsbruck (OTS) - Im Land Tirol fehlen zeitgemäße Strategien, die Umweltschutz und Erschließungen in Einklang bringen.
Das schützenswerte Steinhuhn steht für einen Lebensraum, aber auch für einen Grundsatzkonflikt: Was kann erschlossen werden und was nicht? Durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie wird das Steinhuhn vielleicht zum Ausschließungskriterium für die seit 24 Jahren forcierte Erschließung des Piz Val Gronda. Am Inn könnte das Laufkraftwerk daran scheitern, dass ein kleiner Bereich des Sonderschutzgebiets davon betroffen ist. In den Genehmigungsverfahren gehen dann die Emotionen hoch. Investoren fühlen sich behindert und Umweltschützer warnen vor irreparablen Schäden. Die Politik engt sich ihren Handlungsspielraum selbst ein, weil sie Richtlinien schafft, die sie dann in der Praxis fast bis zum Zerreißen dehnt. Letztlich fehlt das vernünftige Augenmaß und eine zeitgemäße Strategie, die Umweltschutz und Erschließungen bzw. Infrastrukturvorhaben in Einklang bringt. Zweifelsohne gibt es notwendige Tabus, aber Natur-und Umweltschutz dürfen sich nicht ausschließlich darüber definieren. Zu oft wird mit Zerstörung und Beton argumentiert - das mag in den Siebziger- und Achtzigerjahren der Fall gewesen sein. Heute gibt es Gott sei Dank Auflagen, Maßnahmen, die alternative Ruhe- und Schutzgebiete ausweisen und Eingriffe, die sich nicht am Beton, sondern an der Natur orientieren. Ob Piz Val Gronda, Innkraftwerk Telfs oder Zusammenschluss von Schlick und Axamer Lizum - in allen drei Fällen benötigt es vernünftige bzw. naturschonende Lösungen, aber keine unverrückbaren Standpunkte. Nur so kann sich Tirol touristisch und wirtschaftlich sinnvoll weiterentwickeln.

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