"Gesellschaft hat Sehnsucht nach 'schützendem Dach'"

Kardinal Schönborn beim traditionellen "ökumenischen Mittagessen" des niederösterreichischen Landeshauptmanns: Positiv auf Suche nach "Beheimatung" antworten

St. Pölten, 09.09.2009 (KAP) In der Zivilgesellschaft wird die Sehnsucht nach einem "schützenden Dach" spürbar, wie es die Kirchen bieten können. Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstag beim traditionellen "ökumenischen Mittagessen" auf Einladung von Landeshauptmann Erwin Pröll im Niederösterreichischen Landhaus in St. Pölten. Es gebe in der "unbehausten Gesellschaft" eine Suche nach "Beheimatung", so der Kardinal. Die Kirchen, aber auch die einzelnen Pfarrgemeinden, die Klöster sollten offen auf diese Erwartungshaltung zugehen.

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung stellte Kardinal Schönborn die Frage, ob aus der Krise wirklich gelernt wurde. Die Arbeitslosigkeit sei nicht reduziert worden, das Prinzip der Nachhaltigkeit habe sich noch nicht durchgesetzt.

Österreich sei ein "begnadetes Land", aber im Hinblick auf Generationengerechtigkeit, Situation der Familie, Bejahung der Kinder gebe es große Herausforderungen. Kardinal Schönborn:
"Materielle Förderung allein genügt nicht, es geht um eine Grundeinstellung".

Der niederösterreichische evangelische Superintendent Paul Weiland erinnerte daran, dass auch in der vor 75 Jahren beschlossenen "Barmer Erklärung" der "Bekennenden Kirche" jenes Prinzip der "freien Kirche im freien Staat, der freien Kirche in der freien Gesellschaft" grundgelegt wurde, das sich in Österreich in den letzten Jahrzehnten so sehr bewährt hat. Weder das Staatskirchentum noch die schematische Trennung von Staat und Kirche wie in den USA oder in Frankreich seien Lösungen. Das Miteinander von Kirche und Staat in Österreich sei "ein glaubwürdiges Zeugnis für unsere Arbeit und unsere gemeinsamen Anliegen".

Der niederösterreichische Landeshauptmann hatte eingangs "die Nähe und das Wohlwollen zwischen den Kirchen und dem Land Niederösterreich" gewürdigt. Dieses Miteinander gelte auch für die Zukunft. Die "krisenhaften Erscheinungen" der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass "materielle Werte nicht alles im menschlichen Leben sind", bleibend seien vielmehr "die immateriellen Werte, die den Menschen ausmachen und tragen". In den letzten Monaten habe er etwas wie eine "kleine Trendwende" beobachtet, sagte Pröll: Bei feierlichen und traurigen Anlässen sei ein "unglaubliches Interesse der Bevölkerung" an der Kirche spürbar geworden. Er sei den Kirchen dankbar für ihre Seelsorge und ihre Sozialarbeit, betonte der Landeshauptmann; das mache es auch der Landespolitik leichter, "verwurzelt zu sein und zugleich offenen Auges in die Zukunft zu gehen".

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