"Appell von Krakau" für weltweiten Dialog

Schlusserklärung des Assisi-Folgetreffens - "Die Religionen wollen den Krieg nicht und sie wollen nicht für den Krieg missbraucht werden"

Krakau, 09.09.2009 (KAP) Mit einem gemeinsamen Aufruf zu weltweitem Dialog ging am Dienstagabend in Krakau das diesjährige Assisi-Folgetreffen zu Ende. In dem Aufruf betonen die Repräsentanten der Religionsgemeinschaften, es könne keinen Frieden geben, wenn der Dialog zwischen den Völkern nicht funktioniert. "Kein Mensch, kein Volk ist jemals eine Insel", heißt es in dem Appell, der auf dem historischen Marktplatz von Krakau, dem "Rynek", unterzeichnet wurde.

Die Welt sei durch die Krise eines "Marktes, der sich für allmächtig hielt" und eine "oft gesichtslose und seelenlose Globalisierung" desorientiert. Die Globalisierung sei aber eine einmalige Chance, auch wenn sie bisher oft eher in der Logik eines "Kampfes der Kulturen" gelebt worden sei. Die rund 300 Teilnehmer des von der Gemeinschaft Sant'Egidio organisierten Treffens betonten, dass eine Welt ohne Seele nicht menschlich sein könne, eine Welt ohne Dialog wäre eine "Sklavin des Hasses und der Angst voreinander".

"Die Religionen wollen den Krieg nicht und sie wollen nicht für den Krieg missbraucht werden", heißt es im "Appell von Krakau". Im Namen Gottes von Krieg zu sprechen, sei eine Lästerung: "Es gibt keinen 'heiligen Krieg'". Die religiösen Führungspersönlichkeiten hätten bei den Assisi-Treffen erlebt, dass der Dialog von Angst und Misstrauen befreit: "Der Dialog ist die große Alternative zum Krieg; er schwächt niemandes Identität und hilft, bei sich selbst und den anderen das Gute zu entdecken. Nichts ist verloren mit dem Dialog.

Religion dürfe niemals Konflikte, Gewalttaten und Kriege auslösen, betonte der Erzbischof von Krakau, Kardinal Stanislaw Dziwisz: "Der Name jeder Religion ist der Friede, weil der Friede ein Name Gottes ist". An die Teilnehmer des Treffens appellierte Dziwisz, "den Geist von Assisi" zu leben und weiterzutragen.

Der frühere Vorsitzende des Internationalen Jüdischen Komitees für den interreligiösen Dialog (IJCIC), Rabbiner David Rosen, sagte in Krakau, die schmerzhafte Erinnerung an die Shoah müsse die Menschheit zum friedlichen Zusammenleben inspirieren. Der Weg der Versöhnung zwischen den Religionen müsse konsequent weitergegangen werden.

Wörtlich sagte Rabbi Rosen: "Jede Erinnerung hat eine positive und eine negative Seite. Im Pentateuch wird beispielsweise der Bedeutung der Erinnerung viel Platz eingeräumt. Wieso sollten wir uns aber heutzutage an schreckliche Momente wie Auschwitz erinnern? Die Bibel würde darauf antworten, dass man damit sensibler für die Mitmenschen wird. Die Herausforderung besteht darin, dass man keine Angst hat, sich zu erinnern, sondern von der Erinnerung inspiriert wird, mehr Mitleid und Mitgefühl zu entwickeln".

Rosen erinnerte daran, dass die Assisi-Treffen dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. zu verdanken sind. Insgesamt herrsche heute ein total anderer Geist als vor 70 Jahren: "Nationen, die lange Zeit verfeindet waren, arbeiten nun zusammen". Wichtig sei, dass die Religionsgemeinschaften bei Friedensgesprächen miteinbezogen werden:
"Denn Religion ist ein Teil der Lösung, um einen friedlichen Prozess in Gang zu bringen. Das beweist die europäische Geschichte".

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