Wien Museum bietet "Schaulust" mit Biedermeier-Ausstellung

Museum besitzt eine der größten Biedermeier-Sammlungen - Gelungene Erweiterung des anhaltenden Biedermeier-"Booms"

Wien (OTS) - Ein visuelles Vergnügen mit Waldmüller, Amerling, von Alt, Fendi, Danhauser, aber auch Kunsthandwerk, wie Geschenkgläser von Kothgasser, bereitet das Wien Museum ab sofort Freunden des Biedermeiers, jener Kunstepoche der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die mancherorts als "urösterreichisch" empfunden wird. Kuratiert von Elke Doppler, Eva-Maria Orosz und Ralph Gleis bietet die Schau im Sonderausstellungsraum im Erdgeschoß des Museums mithilfe von rund 60 Gemälden und Grafiken, wie auch 20 kunstgewerblichen Gegenständen, darunter etwa ein wertvolle Perlmutt besetzte Briefkästchen mit Landschaftsveduten, einen konzentrierten Überblick über diese scheinbar "heimelige Epoche", fern von Politik und Konflikten. Beim Eintritt zeigt das Wien Museum mit Stolz eine seiner Neuerwerbungen: "Junges Mädchen am Fenster mit Blumenstücken" (18949), gemalt von einer der seltenen Biermeier-Malerinnen Rosalia Amon. Im weiteren Verlauf warten neben zehn Waldmüllers, übrigens auch die wunderbar leicht wirkenden "Wolkenstudien" von Adalbert Stifter, einem literarischen Vertreter jenes Zeitgefühls, welches nicht nur in Oberösterreich länger als bis 1849 andauerte.

Eigentlich als Spottname für praktiziertes Wiener Spießbürgertum erdacht, verwandelte sich der erfundene Begriff "Biedermeier" bereits Ende des 19. Jahrhunderts zur kunsthistorischen Kategorie, ohne jeden Anflug früherer Ironie, wie Ralph Gleis am Mittwoch im Rahmen des Medienpräsentation bemerkte. Die Häufigkeit an Biedermeier-Ausstellungen, vor ein paar Jahren machte die Albertina den Anfang, derzeit laufen bis 11. Oktober noch gleichzeitig die Waldmüller-Schau im Belvedere und eben die Biedermeier-Ausstellung im Wien Museum (Laufzeit bis17. Jänner 2010), erklärte Wien Museum-Direktor Wolfgang Kos mit einer neuen Generation an Kunstinteressierten, die diese Epoche zwischen Wiener Kongress und Revolutionsjahr 1948 neu zu befragen begonnen haben. War früher Biedermeier eine gern besuchte "Opa und Oma"-Ausstellung verlässlich ohne "Nackerte", dafür mit hübsche Wienerwald- und Blumenbildern, so Kos ironisch, würde heute etwa das Kunsthandwerk, das Design, aber auch die Realitätsnähe auf den Gemälden etwa Waldmüllers neues Interesse auf sich ziehen.****

Auch am Kunstmarkt boome die Zeit und nach dem "Fin de Siecle" mit Schiele und Klimt wäre das Biedermeier jene Epoche, wonach von anderen Ausstellungshäusern das Wien Museum am meisten angefragt werde. Dass das Haus am Karlsplatz überhaupt eine herzeigbare Biedermeier-Sammlung aufweist, hängt übrigens mit großzügigen Fürst Liechtenstein-Schenkungen zwischen 1895 und 1910 an die Stadt Wien zusammen, worunter sich auch "erstklassige Waldmüller" (Kos) befunden hätten.

Die Schau selbst - Architektur liefert Christian Sturminger, die Grafik steuert "Ultramarin" bei - lebt von ganz bestimmten Blickwinkeln, die "einfach sitzen mussten" (Kos). Unterteilt in fünf offen gehaltenen, verschieden färbigen Räumen, die den Bogen von "Erinnerung und Inszenierung" über "Alltag", Blumenmalerei, "Landschaft" bis zu den eigenen " vier Wänden" spannen, spricht die Schau zentrale Momente dieser bürgerlichen Kunstepoche mit ihren neuen Paradigmen "Arbeit, Tugend, Frömmigkeit und Geselligkeit" (Gleis) an. Deutlich wird der Bogen, wenn man im Hauptraum steht und am rechten "Horizont" das "Bergmüller"-Familienporträt (um 1845) von Franz Schrotzberg sieht, während am gegenüberliegenden Ende der "Blick auf Wien vom Bisamberg" (1845) von Friedrich Loos Interesse erweckt. Drinnen und draußen, aber auch erste Zurkenntnisnahme der teilweise unsagbar armen Landbevölkerung und der frühen Arbeiterschaft, ernstes Bemühen um Wirklichkeit im Porträt, in der Blumenstudie, aber auch bei der "Pfändung" von Waldmüller machen den Reiz dieser zu großteils aus Eigenbestand gemachten Biedermeier-Ausstellung aus.

Ein eigener Katalog liegt nicht auf, da, so Kos, die Sammlung kunsthistorisch überarbeitet werden müsse. Für Freunde dieser Kunstepoche vielleicht gar nicht so schmerzlich, muss man dafür eben häufiger die Ausstellung besuchen und studieren. Spezialführungen am 22. Oktober mit Kuratorin Eva-Maria Orosz, am 5. November (Ralph Gleis) und Elke Doppler (10. Dezember), jeweils um 16.30 Uhr, bieten da eine gute Hilfe. Überblicksführungen gibt es dazu noch jeden Sonntag und Feiertag um 11.00 und um 16.00 Uhr.

"Malerei des Biedermeier" (Wien Museum, Karlsplatz), 10. September 2009 bis 17. Jänner 2010 , Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertag 9.00 bis 18.00 Uhr (Schließtage: 25.12. und 1.1. 2010; 24.12.: 9.00 bis 14.00 Uhr), Eintrittspreise: Erwachsene: 6 Euro (Sonntag: 5 Euro), junge Leute bis 27 Jahre: 3 Euro (Sonntag: 2 Euro), div. Gruppenermäßigungen

o Infos auch unter: www.wienmuseum.at

(Schluss) hch

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