AK: Internationaler Vergleich zeigt Trend zur stärkeren Vermögensbesteuerung

AK Veranstaltung "Vermögen steuern" zeigte Bedarf nach steuersystematischen Umbau

Wien (OTS) - Vermögen ist in Österreich sehr ungleich verteilt. Das reichste ein Prozent der Bevölkerung besitzt ein gutes Drittel des gesamten Vermögens, die wohlhabendsten zwei bis zehn Prozent weitere 35 Prozent. Insgesamt befinden sich also 70 Prozent des Vermögens im Besitz der reichsten zehn Prozent der Bevölkerung. Die ungleiche Vermögensverteilung wird durch die sehr niedrige Besteuerung von Vermögen noch laufend verstärkt. Eine Studie zeigt, dass Österreich im europäischen Vergleich bei vermögensbezogenen Steuern mit nur 0,57 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) am Ende der Skala liegt. Frankreich etwa liegt bei knapp 3,5 Prozent, die Schweiz kann einen Anteil von über 2,4 Prozent am BIP vorweisen. "Aber nicht nur die Höhe der Vermögenssteuern unterscheidet die EU-Länder von Österreich, auch die langfristige Tendenz zeigt im Gegensatz zu Österreich ein steigendes Aufkommen vermögensbezogener Besteuerung," betont der Studienautor Karl Goldberg von der Gewerkschaft vida. Gemäß dem bislang unumstrittenen Leistungsfähigkeitsprinzip müsste folglich eine Vermögensbesteuerung als Instrument der Umverteilung eingesetzt werden. Für Gabriele Michalitsch vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien gibt es keine wissenschaftliche Begründung, warum Vermögen nicht oder nur gering besteuert werden sollte. Ähnlich fordert der Steuerberater Gottfried Schellmann eine Verteilungsänderung angesichts der ungleichen steuerlichen Belastung von Kapital und Arbeit. Der Faktor Arbeit ist vergleichsweise zu hoch besteuert, eine Reduzierung lohnabhängiger Abgaben hin zu einem Ausbau vermögensbezogener Abgaben ist notwendig und bedarf eines steuersystematischen Umbaus.

Die AK wollte mit der gestrigen Veranstaltung einen Beitrag zur Diskussion über die Notwendigkeit einer Veränderung der bestehenden Steuerstruktur leisten. Durch den Einsatz vermögensbezogener Steuern lassen sich nicht nur zusätzliche Einnahmen zur Budgetkonsolidierung, sondern gleichermaßen erwünschte Umverteilungseffekte erzielen. In Österreich sollte zumindest ein Aufkommen des Durchschnitts der EU-Mitgliedsländer erreicht werden. An Möglichkeiten vermögensbezogener Steuern mangelt es nicht: Mit der Besteuerung von Vermögenszuwächsen werden Veräußerungsgewinne von Wertpapieren erfasst. Derzeit sind in Österreich die von Privatpersonen erzielten Veräußerungsgewinne von Wertpapieren nach einer einjährigen Behaltefrist gänzlich steuerfrei. Das entspricht nicht dem internationalen Standard. Auch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ist keine Seltenheit - sie wird bereits in zwölf EU-Mitgliedsländern eingehoben, aber etwa auch in der Schweiz.

Die AK fordert im Zuge einer gerechteren Besteuerung die Abschaffung von Steuerprivilegien in der Privatstiftung, aber auch eine reformierte Erbschafts- und Schenkungssteuer. Nicht die Steuer an sich wurde vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben, sondern die Probleme im Zusammenhang mit der Bewertung unterschiedlicher Vermögensarten führten dazu. Die Einsetzung einer reformierten Erbschafts- und Schenkungssteuer ist auch aus verteilungspolitischen Gründen unerlässlich.

Rückfragen & Kontakt:

Thomas Angerer
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2578
thomas.angerer@akwien.at
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0001