Chemikalienprüfung kostet 54 Millionen Versuchstieren das Leben

Wien (OTS) - In den nächsten 10 Jahren werden in der EU 54 Millionen Versuchstiere allein zur Sicherheitsbewertung von Chemikalien verbraucht. Zu diesem erschütternden Ergebnis kommen die Wissenschafter Thomas Hartung und Costanza Rovida in ihrer jüngsten Arbeit.(1) Damit wird das ursprüngliche Horrorszenarium von 7,5 - 45 Millionen vergifteten Versuchstieren gewaltig überschritten.

Aufgrund der 2006 beschlossenen EU-Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation and Authorization of Chemicals) müssen auch jene Chemikalien, die schon vor dem Jahr 1981 ab einer Tonne jährlich in Verkehr gebracht wurden, nachträglich auf ihre Sicherheit für Mensch und Umwelt bewertet werden. Ging man ursprünglich von fast 30.000 sogenannten Altstoffen aus, wurden jetzt tatsächlich - im Rahmen der verpflichtenden Vorregistrierung, die Ende 2008 endete -über 100.000 Chemikalien registriert.

Basierend auf dieser neuen Faktenlage und weiteren Faktoren, die sich mittlerweile verändert haben, wie etwa die Erweiterung der EU auf nun 27 Mitgliedstaaten, haben Hartung und Rovida ihre neuen Berechnungen angestellt.
Demnach wird REACH in den nächsten 10 Jahren 54 Millionen Versuchstieren zusätzlich das Leben kosten. Die EU-Kommission ist ursprünglich von 7,5 Millionen Tieren ausgegangen. Und statt den veranschlagten 1,2 bis 2,4 Milliarden Euro wird REACH nun etwa 9,5 Milliarden Euro Kosten verursachen.
Dabei sind Hartung und Rovinda von lediglich 68.000 Substanzen ausgegangen und haben nur optimistische Verläufe aufgenommen und auch die Anwendung von alternativen Methoden mit einbezogen.

Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT), fordert die völlige Abkehr von Tierversuchen, weil das systematische Vergiften von Millionen von Tieren, von Mäusen, Ratten, Kaninchen, Meerschweinchen, Fischen, Hunden und Affen auf das Schärfste zu verurteilen und einer Zivilisation unwürdig sei.
"Auch täuschen Tierversuche eine falsche Sicherheit vor, da sich die Ergebnisse nicht auf die komplexe Umweltsituation umlegen lassen", so die TierversuchsgegnerInnen. "Dagegen können zur Sicherheitsbewertung der Altchemikalien, die ja schon mindestens 30 Jahre im Umlauf sind, alle Daten, Informationen, der Wissens- und Erfahrungsstand ermittelt werden, um dann die Gefährlichkeit zu beurteilen. Verdächtige Chemikalien sind aus dem Verkehr zu ziehen und durch sichere zu ersetzen."

(1) Costanza Rovida and Thomas Hartung: "Re-Evaluation of Animal Numbers and Costs for In Vivo Tests to Accomplish REACH Legislation Requirements for Chemicals - a Report by the Transatlantic Think Tank for Toxicology." Ersch. in: ALTEX 26, 3/09, siehe unter:
http://www.altex.ch/resources/t4_RovidaHartungfinal1.pdf

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Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: 01/713 08 23-11
E-Mail: rathmanner@tierversuchsgegner.at
Homepage: www.tierversuchsgegner.at

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