"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Agrarier führen Regierung vor" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 9. September 2009

Innsbruck (OTS) - Zehn Prozent Uneinsichtige bringen alle Tiroler Agrargemeinschaften und damit auch alle Bauern in Verruf.
Der Begriff "Agrargemeinschaften" hat alle Chancen auf den Titel "Unwort des Jahres". Als hätten die verkorkste Diskussion der vergangenen Jahre und die anfangs zögerliche Haltung der Landesregierung nicht schon genug Schaden angerichtet, drohen jetzt einige Unbelehrbare das Fass zum Überlaufen zu bringen. Agrargemeinschaften, die aus Gemeindegut entstanden sind, müssen alles, was sie außeragrarisch erwirtschaften, an die jeweilige Gemeinde abliefern - abzüglich ihres Aufwandes für die Bewirtschaftung der Flächen, versteht sich. Dieses Erkenntnis der Verfassungsrichter ist eigentlich deutlich genug. Weil aber Theorie und Praxis immer zwei Paar Schuhe sind, ist es nicht überall so leicht umzusetzen, wie sich das manche wünschen würden. Ein Teil der Betroffenen leistet erbitterten Widerstand. In Summe legen sich nicht mehr als zehn Prozent quer. Aber das reicht, um alle Tiroler Agrargemeinschaften und damit den gesamten Bauernstand in Misskredit zu bringen. In Langkampfen hat die Gemeinde ein Verfahren zur Neuregulierung der Vermögenswerte eingeleitet. Noch bevor das abgeschlossen ist und bevor einwandfrei feststeht, um welche Form von Agrargemeinschaft es sich hier handelt, will die Agrargemeinschaft Unterlangkampfen noch schnell 1,5 Mio. Euro an ihre Mitglieder ausschütten. Diese Vorgangsweise ist ein Schlag ins Gesicht für jene, die sich um eine gütliche Lösung des Problems bemühen. Die Landesregierung wird regelrecht vorgeführt. Wer so handelt, braucht sich über Vorwürfe nicht zu wundern.

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