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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Inserenten und Spekulanten"
Ausgabe vom 9. September 2009
Wien (OTS) -
Leidet Peter Michaelis an Minderwertigkeits-Komplexen? Nur so wäre es
erklärbar, dass er sich teure Seiten in der "Presse" kauft, um
interviewt zu werden. Denn selbstverständlich käme der ÖIAG-Chef in
jedem heimischen Medium zu Wort, wenn er etwas sagen wollte.
Michaelis hat seinem Aufsichtsrat gegenüber etlichen
Erklärungsbedarf.
Die "Zeit im Bild" hat recht, wenn sie solche bezahlten
Zeitungsberichte kritisiert. Welchem Zweck dient die "finanzielle
Unterstützung" (beispielsweise) der ÖIAG wirklich? Die
medienpolitische Hygiene verlangt längst eine Debatte über dieses
Thema - trotz der Finanznöte der Zeitungen.
Mindestens so anrüchig ist allerdings auch, dass der ORF die Frage
erst jetzt bei der ÖIAG thematisiert. Denn von den ÖBB bis zum
Unterrichtsministerium (oder gar bis zur zehnseitigen
"Krone"-Sonderstrecke der SPÖ-Minister) haben politisch anders
gefärbte öffentlich-rechtliche Institutionen schon unzählige solcher
Seiten direkt oder indirekt zu Lasten des Steuerzahlers finanziert.
Was der ORF bisher mit keiner Silbe getadelt hat.
Ein Anlass wäre etwa die Dienstag-"Krone": Da eine "entgeltliche
Einschaltung" mit Schmied-Propaganda für die Gesamtschule, dort eine
redaktionelle Verteidigung von Schmieds Risiko-Geschäften!
*
Apropos Claudia Schmieds Vergangenheit in der später bankrotten
Kommunalkredit, die sie so ungern erwähnt (was nur noch mehr
Misstrauen schürt): Tatsache ist, dass erstens nichts
Strafrechtliches gegen sie bekannt ist. Dass es zweitens unabdingbar
zum Manager-Job gehört, Risken einzugehen (lassen wir einmal
beiseite, dass die Kommunalkredit eigentlich primär risikoarme
Kredite an Gemeinden vergeben sollte). Und dass es drittens eine
Katastrophe wäre, jedem Manager den Wechsel in die Politik noch mehr
zu vermiesen.
Die SPÖ hätte also gute Argumente. Dennoch ist sie extrem nervös.
Denn ihr bricht die gesamte Propagandalinie der letzten Monate
zusammen: Zuerst die Agitation gegen die frühere ÖBB-Führung, dann
gegen die Bundesfinanzierungsagentur (die beide sicherer veranlagt
haben als Schmied), dann der Kampf gegen hohe Managerbezüge, der nun
ebenfalls unglaubwürdig geworden ist.
Aber vielleicht bewirkt die Kommunalkredit-Affäre auch etwas Gutes:
nämlich, dass die SPÖ ihren Populismus in Sachen Wirtschaft wieder
garagiert.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:redaktion@wienerzeitung.at
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