Tumpel zu OECD-Bildungsbericht: Mehr für gleiche Chancen tun

Hinter niedriger Akademikerquote steckt Mangel an Chancengleichheit - begonnene Bildungsreformen müssen rasch umgestzt werden

Wien (OTS) - "Dringend Handlungsbedarf für die Zukunft" sieht AK Präsident Herbert Tumpel nach der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick": "Dass bei uns weiterhin nur um die 40 Prozent eines Jahrgangs ein Studium anfangen und die Zahl der Hochschulabschlüsse nur langsam steigt, zeigt Nachholbedarf." Besorgnis erregend ist vor allem, dass in Österreich laut OECD die Ausbildung der Kinder noch immer stark von jener der Eltern abhängt. "Wenn wir hier nichts ändern, verlieren wir den Anschluss an unsere Nachbarn", sagt Tumpel. Er fordert, dass die begonnenen Reformen im Bildungsbereich rasch umgesetzt werden -vom Vorschuljahr zumindest für alle Fünfjährigen über die gemeinsame Schule im Bereich der Mittelstufe bis hin zum Ausbau der Ganztagsschulen. Wichtig sei schließlich auch freier Hochschulzugang, der von sozialen Maßnahmen flankiert sein muss.

Die OECD hat sich heuer angeschaut, wie gut die einzelnen Länder SchülerInnen aus sozial benachteiligten Familien unter die Top-LeisterInnen in Naturwissenschaftern bringen. Dabei schaffen Länder wie Japan, Polen und Portugal einen Anteil von 30 Prozent und mehr SchülerInnen aus sozial benachteiligten Familien, während Österreich mit 20 Prozent nur im Mittelfeld liegt. Bestätigt werden damit Ergebnisse aus dem Vorjahr: Während in Österreich 39 Prozent der männlichen Bevölkerung zwischen 40 und 60 Jahren einen Arbeiterhintergrund haben, beträgt der Anteil der Jugendlichen mit Arbeiterhintergrund in Hochschulausbildung nur 20 Prozent. Bei den untersuchten Ländern hat nur Deutschland eine noch geringere soziale Durchlässigkeit.

"Wenn wir nicht auf das Potenzial von tausenden jungen Menschen verzichten wollen, müssen wir dringend dafür sorgen, dass die Ausbildungschancen der Kinder nicht länger von der Bildung der Eltern abhängen", sagt Tumpel, "alle müssen Bildung bekommen können, die wirklich Chancen bringt." Die AK fordert:

+ eine gemeinsame Schule im Bereich der Mittelstufe (AHS und Hauptschule) als Ziel für alle Kinder,

+ verstärkten Ausbau der Ganztagsbetreuungsangebote und individuelle Förderung für alle Kinder,

+ eine Ausbildungsgarantie im Bereich der berufsbildenden Schulen,

+ freien Zugang zu Hochschulbildung, der von sozialen Maßnahmen (Schülerbeihilfen, Studienbeihilfen etc.) flankiert sein muss,

+ und die ausufernden privaten Ausgaben für Bildung (zB Nachhilfe) müssen durch Reformen wie Kurssystem statt Sitzenbleiben, ein Recht auf Förderunterricht und Ganztagsbetreuung eingedämmt werden.

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