Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch: "Naiver geht's nimmer"

Ausgabe vom 8. September 2009

Wien (OTS) - Große Aufregung um die Bombenangriffe auf zwei entführte Tank-Lkw in Afghanistan. Jeder Bericht nennt eine andere Zahl ziviler Opfer der von deutschen Offizieren angeordneten Attacke. Es ist nicht einmal klar, ob es überhaupt zivile Opfer gegeben hat. Klar ist nur, dass sofort ein wilder Konflikt zwischen den USA und Deutschland entbrannt ist. Damit wird für die Deutschen der ungeliebte Einsatz an der Seite der plötzlich auf Friedliebe machenden Amerikaner fragwürdiger denn je.

Die Aufregung enthüllt aber auch die Weltfremdheit des Westens hinsichtlich Afghanistans. Nur besonders naive Menschen können nämlich glauben, dass ein Taliban von einem Zivilisten zu unterscheiden wäre (nach dem Tod schon gar nicht, denn die Taliban tragen leider weder Uniformen noch Erkennungsmarken). Nur besonders naive Menschen wie die jetzige amerikanische Führung können glauben, in einer kulturell, sprachlich und religiös total fremden Umgebung sei es möglich, die mittels Partisanentaktik aus der Bevölkerung heraus agierenden Feinde zu bekämpfen und sich zugleich die Zivilisten zu Freunden zumachen. Und nur besonders naive Menschen wie die Deutschen können ihre Soldaten in einen unübersichtlichen Krieg schicken und zugleich jeden einzelnen Schuss einer staatsanwaltlichen Überprüfung aussetzen.

Angesichts all dieser Naivitäten gibt es wohl nur eine Konsequenz: So rasch wie möglich heraus!

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Naivität in Sachen Weltpolitik bietet übrigens auch die ORF-Führung. Sie gibt Sehergeld für eine wirre "Dokumentation" linker italienischer Schauspieler und Dichter aus, die mit zum Teil total absurden "Beweis"-Brocken der amerikanischen Regierung die Täterschaft am 11. September 2001 zuzuschieben versucht. Was wird man uns demnächst auftischen? Hat die Mondlandung gar nicht stattgefunden? Hat Hitler den Krieg gewonnen?

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Ein ebenfalls beklemmend tiefes Intelligenzniveau demonstriert dieser Sender auch noch in einem anderen, zum Glück weitaus harmloseren Zusammenhang: Im ORF glaubt man offenbar wirklich, die Präsenz seiner Direktoren bei Fußballspielen oder diversen Festen wäre für die Zuschauer so interessant, dass man ihnen diese Auftritte immer wieder auch bildlich zeigen muss.

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