"Kleine Zeitung" Kommentar: "Unter den Flügeln des Kranichs jettet AUA in stürmische Zeiten" (Von Hellfried Semler)

Ausgabe vom 04.09.2009

Graz (OTS) - Seine Qualitäten als AUA-Chef waren umstritten, seine Planungen führten die Fluggesellschaft in hohe Verluste. Als Wahrsager wäre Alfred Ötsch auch nur ein wenig Glück beschieden worden. Nach langem Sträuben gegen den Verkauf der rot-weiß-roten Fluglinie an die Lufthansa drehte er sich, bevor er abtreten musste, im Wind der politischen Forderungen. Er sprach von "Grauslichkeiten", die kommen würden, schlage die Eingliederung in die deutsche Fluglinie mit dem Kranich auf der Heckflosse fehl. Die Grauslichkeiten kommen so oder so, aber es öffnen sich auch Chancen für die Flieger aus Wien.

Jetzt gibt es kein Wenn und Aber mehr, Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hat die Kaufverträge unterschrieben. Dem österreichischen Staat, besser den Steuerzahlern, kommt der Verkauf teuer, immerhin legte die Regierung in Wien 500 Millionen Euro aus, damit ein Verehrer bei der zwar nicht hässlichen, aber bettelarmen Braut anbiss. Andererseits: Wäre der Verkauf geplatzt, wäre der Schaden noch höher.

Es werde schon zwei bis drei Jahre dauern, bis man von der AUA sagen könne, sie sei saniert, meint man in der AUA-Chefetage. Rigorose Sparprogramme sind die zwangsläufige Folge. 1000 Mitarbeiter haben das Unternehmen in den letzten zwei Jahren schon verlassen, erneut 1000 Posten werden bis Mitte des nächsten Jahres abgeschafft. Was noch kommt, wissen Mayrhuber, die Betriebsräte und die AUA-Chefs, die nicht explizit von Kündigungen sprechen, sie jedoch nicht kategorisch ausschließen. Das Ungewisse an der Zukunft ist eben die Zukunft.

Sicher, der AUA öffnen sich neue Chancen unter den Flügeln des Kranichs. Ohne die Lufthansa hätte die AUA zu einer regionalen Fluglinie abspecken müssen, im Alleingang fehlt die Kraft, gegen die Turbulenzen im Luftfahrtgeschäft Kurs zu halten. Nun ist die AUA Teil eines weltweit verankerten Streckennetzes.

Jetzt beginnt aber die Zeit, in der alles und jedes in der AUA auf den Prüfstand gestellt wird unter der Devise: "Wer kann es besser -die Lufthansa oder die AUA?" Beim Bodenpersonal, sagen Vertreter der Belegschaft, gehe die Suche nach Synergien, Integrationsmöglichkeiten und zur Vermeidung von Doppelbesetzungen längst voran.

Unausbleibliche Folge wird die weitere Verringerung des AUA-Personalstands sein. Bei der Swiss purzelten nach der Übernahme durch die Lufthansa im Jahr 2005 rund 40 Prozent aller Jobs. Ähnliches wäre für die AUA wohl das Horrorszenario schlechthin.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001