Alpbach - Arbeitskreis Tourismus: Nachhaltigkeit als Chance für Tourismus-Betriebe

EU-Repräsentant Ortún: "Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zwei Seiten der selben Medaille" - Schenner: "Tourismusbranche bietet Jobs mit Standortgarantie"

Alpbach (OTS/PWK647) - "Ja zu Tourismus mit wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung mit möglichst vielen positiven Effekten und möglichst wenig Schadensfolgen", unterstrich Hans Schenner, Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKÖ. Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie mögliche Spannungen durch diese Faktoren standen thematisch im Zentrum des Arbeitskreises Tourismus im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach 2009. "Wenn Tourismusbetriebe in dieser Art nachhaltig wirtschaften, bringt das neben Wettbewerbsvorteilen auch neue ökonomische Impulse, aus denen neue Geschäftsfelder und Einnahmemöglichkeiten entstehen können", so Schenner.

Auch die EU setzt in Sachen Tourismuspolitik der Union verstärkt auf Nachhaltigkeit, sagte Pedro Ortún, der die Eröffnungsrede hielt. Ortún ist in der "Generaldirektion Unternehmen" und Industrie unter anderem für die Bereiche Tourismus und Corporate Social Responsibility (CSR) verantwortlich. Er unterstrich, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit zwei Seiten der selben Medaille sind. Die Umsetzung von Maßnahmen mit nachhaltiger Wirkung gestalte sich in einem komplexen Bereich, wie es der Tourismus einer ist, aber oft sehr schwierig. Dazu kommen oftmals unterschiedliche Bestrebungen und Ziele und zwar sowohl innerhalb der EU als auch in einzelnen Mitgliedsstaaten (Stichwort Föderalismus).

Drei Aufgabengebiete machte EU-Repräsentant Ortún aus, denen die Europäische Union in Bezug auf Nachhaltigkeit besonderes Augenmerk schenkt und Maßnahmen setzt: dem nachhaltigen Management von Reise-Destinationen, nachhaltige Aktivitäten von Unternehmen sowie dem nachhaltigen Verhalten von Touristen. In all diesen Bereichen gehe es aber nicht darum, zu drohen oder gar Strafen zu verhängen. Vielmehr sollen sowohl Betriebe als auch Einzelpersonen durch Aufklärung und Anleitung dabei unterstützt werden, alte eingefahrene Verhaltensmuster aufzugeben bzw. in Richtung Nachhaltigkeit zu ändern. In Bezug auf vermehrt nachhaltiges Tourismus-Verhalten will die EU drei Zielgruppen besonders ansprechen, nämlich Jugendliche, Familien mit niedrigem Haushaltseinkommen, Angehörige der Altersgruppe 55plus sowie Menschen mit Behinderungen. In Summe ergibt das eine Zielgruppe von 150 Millionen Menschen in Europa für die Bemühungen der EU, touristische Angebote und Aktivitäten nachhaltiger zu machen.

"Immerhin können 40 Prozent der Menschen in der Europäischen Union aus unterschiedlichen Gründen - Behinderung oder zu wenig finanzielle Mittel - nicht Urlaub machen", ergänzte der zweite Redner beim Arbeitskreis Tourismus: Richard Denman, Direktor des Beratungsunternehmens "The Tourism Company". Diesbezüglich seien die Anbieter von Tourismus-Dienstleistungen gefordert, entsprechende Angebote in ihr Portfolio aufnehmen.

Bei großen Konzernen sieht Denman das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus vielfach gut umgesetzt. Einen gewissen Aufholbedarf ortet er bei kleinen und mittleren Unternehmen, wo Nachhaltigkeits-Aktivitäten und -Maßnahmen oftmals sehr mit dem Engagement der einzelnen Unternehmerinnen, des einzelnen Unternehmers steht und fällt.

Zudem formulierte der Tourismus-Experte acht Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit für den Tourismus in Europa: Dazu gehört die Reduktion der Saisonalität/Saisonabhängigkeit ebenso das Volumen des durch Tourismus ausgelösten Verkehrs, die Vermeidung bzw. Wiederverwertung von Abfall ebenso wie die Qualität von Tourismus-Arbeitsplätzen.

Stichwort Arbeitsplätze/Beschäftigung im Tourismus: Die Bundessparte Tourismus und Freizweitwirtschaft der WKÖ hat diesbezüglich die Initiative "Tourismus ... und die Jobs bleiben da!" ins Leben gerufen: Die Kampagne wendet sich mit einem an eine Ortstafel angelehnten Sujet vorrangig an Vertreter von Politik und Medien. Das Motiv bringt die Standort-Treue und -Sicherheit von Tourismus-Betrieben und der Arbeitsplätze, die sie schaffen und sichern, zum Ausdruck. "Österreich-Tourismus wird nur hierzulande geboten. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen kann der Tourismus eine Standortgarantie abgeben und nicht - wie andere Wirtschaftsbereiche - ins benachbarte Ausland abwandern", unterstrich Bundessparten-Obmann Hans Schenner auch in Alpbach. Er überreichte dort sowohl Vizekanzler und Finanzminister Josef Pröll als auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner eine "Tourismus-Ortstafel".

In zwei Workshops im Rahmen des Arbeitskreises Tourismus beim Forum Alpbach widmeten sich die Veranstaltungsteilnehmer zwei weiteren Tourismus-Themen: "Freizeit und Gesundheit als Beitrag zur Wertschöpfung" (Workshop-Leiter: Gerhard Span, Obmann des Fachverbandes der Freizeitbetriebe, siehe dazu auch OTS 0081 vom 3.9.2009) und "Die Reisebüros in der Wertschöpfungskette", moderiert von Felix König, Ausschussmitglied des Fachverbandes der Reisebüros. Weiters hatten die Teilnehmer am Arbeitskreis und darüber hinaus Interessierte die Möglichkeit, eine Deklaration für nachhaltigen Tourismus zu unterzeichnen. (JR)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, Mag. Rainer Ribing, Tel.: (++43) 0590 900-3567, rainer.ribing@wko.at, http://wko.at/bstf

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