Chalupka: "Neun Jahre sind nicht genug"

Diakonie fordert Recht auf integrative Bildung bis zum 18. Lebensjahr

Wien (OTS) - "Wenn nächste Woche die weiterführenden und berufsbildenden Schulen öffnen, heißt es für Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf: Bitte draußen bleiben", kritisiert Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich, das österreichische Bildungssystem. Die Diakonie forderte heute im Rahmen einer Pressekonferenz das Recht auf integrative Bildung bis zum 18. Lebensjahr und plädiert für bessere Elternberatung und den Ausbau integrativer Bildungseinrichtungen, auch für die zehnte bis 12. Schulstufe.

"Es ist eine unerträgliche Situation, dass für Kinder mit Behinderungen nach neun Pflichtschuljahren, Schluss ist mit Bildung und Förderung."

Chalupka sieht darin eine klare Verletzung der von Österreich ratifizierten UN-Konvention "Rechte von Menschen mit Behinderungen". Integrativen Unterricht nach der neunten Schulstufe anzubieten, ist im österreichischen Bildungssystem nicht vorgesehen und rechtlich auch gar nicht möglich. Derzeit kann SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf nur in einer Sonderschule 12 Jahre Bildung angeboten werden.

"Das ist zwar für einige Kinder und Jugendliche mit vielfachen Behinderungen die beste Lösung, trifft aber nicht den Bedarf der großen Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die nur aufgrund einer Lern- oder Teilleistungsschwäche sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Für sie wäre inklusiver und integrativer Unterricht die optimale Schulform", erläutert Eva Kothbauer-Habersatter, Geschäftsführerin des Diakonievereins Salzburg, und fügt hinzu: "Aus dem Bildungsbericht 2009 geht hervor, dass von integrativem Unterricht alle Kinder gleichermaßen profitieren, egal, ob mit oder ohne Behinderung."

Seit einem Jahr setzt der Diakonieverein Salzburg den gemeinsamen Unterricht in der Oberstufe in einer Kooperation von Realgymnasium und Orientierungsstufe um. Kothbauer-Habersatter berichtet von positiven Erfahrungen dieses einzigartigen Projektes und würde sich freuen, Nachahmer zu finden.

Chalupka abschließend: "Gerade jenen Kindern und Jugendlichen das Recht auf Bildung zu beschränken, die eigentlich länger zum Lernen brauchen, ist widersinnig. Es muss ihnen mindestens 12 Jahre möglich sein, eine integrative Schule zu besuchen."

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