WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Banken fahren mit Vollgas durch den Nebel - von Alexis Johann

Höhere Risikovorsorgen könnten Kettenreaktionen auslösen

Wien (OTS) - Wie geht es den Banken? Wird uns die sichere neue
Welt nur vorgegaukelt? Droht am Ende der nächste Kollaps? Es gibt wenige Themen, mit denen sich die LeserInnen des digitalen Angebots des WirtschaftsBlatts so intensiv auseinandersetzen, wie mit den Bilanzzahlen der heimischen Finanzinstitute (siehe O-Ton unten). Die magische Wandlung, bei der sich die gefallenen Helden plötzlich als strahlende Retter darstellen dürfen, ist tatsächlich schwer zu verdauen. Noch vor wenigen Monaten hatte die Finanz- und Wirtschaftspresse vom drohenden Bankrott des heimischen Bankwesens berichtet. Jetzt warten die Systembanken - von wenigen Ausnahmen abgesehen - mit Rekordzahlen im operativen Geschäft auf und verweisen auf die gesunde Kapitalstruktur. Stolz verkündete RLB Oberösterreich-Generaldirektor Ludwig Scharinger, mehr als ein Dutzend Mittelständler durch die Krise tragen zu wollen - und dazu auch alle notwendigen finanziellen Mittel zu haben.

Dass die Banken Krisenprofiteure sind, vermutete das WirtschaftsBlatt bereits zu Beginn des Jahres. Die Kunden der Banken fragen sich aber nun zu Recht, ob da dem Risk Management keine Fehler unterlaufen sind. Die Raiffeisen Zentralbank hat ihre Risikovorsorge versechsfacht, die RLB Oberösterreich zumindest noch verdoppelt. Reicht denn das? Was passiert, wenn Firmen wie Polytec oder KTM die Krise nicht überleben, wenn Einzelkunden wie Oleg Deripaska in der Gunst des Kremls fallen, wenn es in Ländern wie Rumänien zu breitflächigen Kreditausfällen kommt? Die Bankkunden befürchten, dass sie es sind, die die Fehlberechnungen der Risk Manager durch schlechtere Kredit- und Provisionkonditionen später einmal ausbaden müssen. Wären die Risikovorsorgen erhöht worden, würde sich deutlicher zeigen, dass die Banken sparen müssen.

Ja, das ist so. Jeder Fehler wird später bei den Kunden abgerechnet. Tatsächlich kann kein Mensch sagen, ob Scharinger, Rothensteiner, Treichl & Co. doch rigorosere Vorsorgen treffen sollten. Die Bankmanager müssen mit Vollgas durch den Nebel fahren. Würden sie jetzt auf die Bremse treten, könnte das negative Kettenreaktionen auslösen. Das mühsam erkämpfte Vertrauen im Interbankengeschäft wäre verspielt, Anleihen ließen sich nur schwer platzieren und die Investoren wären verstört. Die negative Weltpresse sitzt der Erste Bank und dem Raiffeisen-Sektor noch immer tief in den Gliedern. Heute führt die Erste Bank mit einem Kursgewinn von 280 Prozent die Jahresbranchenwertung an. Auch dieses Signal der Stärke wird international gehört.

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