Semantisches Web soll für Ordnung im WWW sorgen

Experten unterschiedlicher Ansicht über Potenzial - Semantic Web ist "jetzt da, wo das World Wide Web 1995 war" - Warnung vor übersteigerten Erwartungen

Wien (OTS) - Intelligente Antworten auf Suchanfragen im Internet, erleichtertes Auffinden von Informationen und Daten im Unternehmensnetz - oder vereinfacht: "Der Computer versteht, was wir meinen." Die Vorteile des semantischen Web werden von Branchenvertretern gerne hervorgestrichen. Dass bei diesem Thema aber auch die Meinungen von Expertinnen und Experten weit auseinanderklaffen, hat eine Podiumsdiskussion im Rahmen der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien gezeigt.

"In fünf Jahren redet kein Mensch mehr vom Semantic Web. Denn dann ist es eine Standardtechnologie, die überall integriert ist", gab sich Tassilo Pellegrini, Mitgründer der Semantic Web Company, überzeugt. Er sieht im Semantic Web weder einen neuen Hype, ein akademisches Hirngespinst oder die Neuauflage von künstlicher Intelligenz, sondern eine Erweiterung des bestehenden World Wide Webs um gut strukturierte Metadaten.

"Dadurch sind Maschinen plötzlich in der Lage, die Bedeutung von Daten zu interpretieren, Daten aus unterschiedlichen Quellen automatisch zusammenzufügen und Dienste automatisch auszuführen. In so einem Kontext werden Metadaten plötzlich unglaublich sexy", so Pellegrini, der das Internet mit einer "unaufgeräumten Datenbank" vergleicht. Beim Web 2.0 gehe es um das Produzieren und Teilen von Wissen, beim Semantic Web - von vielen als Web 3.0 propagiert -stünde das Auffinden von Informationen im Vordergrund.

Konkrete Antworten auf komplexe Fragen

Dadurch wären konkrete Antworten auf Fragen wie "Welche Aussagen hat ein bestimmter Politiker im Zeitverlauf zum Thema XY getätigt" oder eine sinnvolle Suche nach "Aufwandsschätzung" möglich, weil das System weiß, dass dieser Begriff mit einem "Kostenvoranschlag" gleichzusetzen ist. Zusätzlich helfe das Semantic Web dabei, die Medienbrüche etwa zwischen Wikis, Blogs, Twitter und anderen Systemen aufzuheben.

Durch diese "radikale Innovation" entstünde ein "neues Ökosystem für die Datenbewirtschaftung", das Informationsdienste, Arbeitsweisen und Geschäftslogiken hervorbringen werde, "die über das WWW, wie wir es derzeit kennen, hinausgehen". Als Vorreiter nannte Pellegrini die Pharmabranche, die "ihre Daten im großen Stil semantifiziert", den Energie- und Finanzsektor sowie die Medienwelt. Er gesteht aber ein, dass das Semantic Web "jetzt da ist, wo das World Wide Web 1995 war".

"Weder einfach zu verstehen, noch anzuwenden"

Auch Gerald Klima, Geschäftsführer von APA-IT, sieht hier noch ein "junges und etwas komplexes Feld". Seiner Meinung nach beinhaltet das Semantic Web "eine Reihe von Konzepten und Technologien, von denen einige weder einfach zu verstehen, noch trivial anzuwenden sind". Was in welcher Form wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden könne, sei großteils noch unklar. "In vielen Bereichen ist es möglich, andere Technologien zu verwenden, die deutlich einfacher und günstiger sind", so Klima.

Es gebe zwar einige erfolgversprechende Fallbeispiele, aber der praktische Beweis für den entsprechenden Mehrwert sei teilweise noch nicht vorhanden. Außerdem werde das Schlagwort "Semantic" häufig verwendet, um Produkte interessanter und moderner erscheinen zu lassen. "Die Qualität wird durch semantische Technologien teilweise verbessert und die Nutzung erleichtert. Man sollte aber keine übersteigerten Erwartungen haben", ist Klima überzeugt.

Viele Unternehmen noch nicht einmal im Web 1.0

Als "sehr komplex und noch im Fluss" beurteilte auch Vitus Piroutz vom Beratungsunternehmen seeyou 3.0 das Thema Semantic Web. Dennoch habe die Technologie das Potenzial, das Leben der Web-Benutzer einfacher zu machen. Derzeit seien viele Unternehmen aber noch nicht einmal im Web 1.0 angekommen und hätten auch keine Zeit, Inhalte mit semantischen Informationen anzureichern.

Er erwartet, dass sich das semantische Web zuerst im Unternehmensbereich etabliert und durch den Einsatz im Intra- und Extranet die Produktivität der Mitarbeiter steigert. "Die inzwischen auch schon angegrauten Visionen vom 'Das Netzwerk ist der Computer' könnten mit der Web 3.0-Technologie als Basis jedoch Realität werden", so Piroutz.

Großes Potenzial im E-Commerce-Bereich

Nicht mehr "Tausende Links, sondern konkrete Antworten bzw. Angebote zu erhalten", erwartet sich Markus Linder, Geschäftsführender Gesellschafter der Smart Information Systems GmbH, vom Semantic Web. Dies sei vor allem für den E-Commerce-Bereich interessant.

Firmen könnten Informationen, die auf ihrem Portal "schlummern", aufbereiten und strukturiert online stellen. Andere Anbieter hätten dann die Möglichkeit, diese Daten in ihr Angebot zu integrieren. "Unternehmen sollten den rechtzeitigen Einsatz dieser Technologie nicht verpassen, um die Vorteile der Web-Technologie der nächsten Generation voll ausschöpfen zu können", erklärte Piroutz.

Allerdings sei die Entwicklung neuartiger Services sehr teuer. "Alles wirkt schick und toll, aber damit Geld zu verdienen, ist ein langer Weg", sagte Diana Sepetanc von Kapsch CarrierCom. Dem Bestreben, den Alltag einfacher zu machen, müsste auch die Bereitschaft, dafür zu bezahlen, gegenüberstehen.

Deutlich optimistischer gibt sich Semantic Web-Experte Pellegrini:
"Wenn sie auch in Zukunft im Web gefunden werden wollen und ihnen daran liegt, mitzuentscheiden, wo sie gefunden werden und was von ihnen gefunden wird, dann kommen sie am Semantic Web nicht vorbei."

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