GLOBAL 2000: Bulgarisches Atomkraftwerksprojekt Belene vor dem Aus?

Europäischer Anti-Atom-Gipfel - Aktionen von Donnerstag bis Samstag

Wien/Sophia (OTS) - UmweltschützerInnen aus ganz Europa treffen sich zum europäischen Anti-Atom-Gipfel in Belene bei Svishtov um auf die Probleme hinzuweisen, Strategien zu entwickeln und vor allem den Protest gegen den Risikoreaktor Belene sichtbar zu machen:
Pressekonferenzen, Happenings und ExpertInnen-Diskussionen über die nuklearen Risiken und die wirtschaftlichen Konsequenzen stehen auf dem Programm. "Nach jahrelanger Kampagne in Bulgarien und Europa steht das KKW-Projekt Belene vor dem Aus. Die neue bulgarische Regierung hat erkannt, dass die Lichter ohne Belene nicht ausgehen werden und dass Atomenergie die teuerste aller Energieformen darstellt", erklärt Patricia Lorenz Antiatomsprecherin von GLOBAL 2000.

Das Projekt Belene ist nach demselben Strickmuster wie Mochovce in der Slowakei entstanden: Ein bereits existenter Reaktorstandort mit Genehmigungen und einigen Gebäuden vor Ort noch aus kommunistischer Zeit soll mit westlicher Hilfe fertig gestellt werden. Während der Atommüll und das Risiko vorwiegend den Ländern des ehemaligen Ostblocks bleibt, wird der Strom exportiert. Bei Belene sollte dieses Modell einen weiteren ehemaligen kommunistischen Staat in eine neue Energieabhängigkeit treiben und würde somit durch den direkten Einstieg des deutschen Energiegiganten RWE mit einer 49 prozentigen Beteiligung am KKW weiter perfektioniert werden. Erfolgreiche Kampagnen von GLOBAL 2000 und anderen Umweltorganisationen, sowie die Probleme, mit denen jedes AKW-Projekt kämpft, haben dazu geführt, dass das KKW Belene in Bulgarien vor dem Aus steht.

Die akuten Wirtschaftlichkeitsprobleme des KKW Belene hat die neue bulgarische Regierung jetzt im August klar benannt: Kostenexplosion. Laut dem neuen Energieminister Traikov würde Belene mit 2000 MW nicht vier sondern eher zehn Milliarden Euro kosten. Die bulgarische Regierung will nun nach erneuter Durchsicht der Projektunterlagen eine Entscheidung treffen. GLOBAL 2000 und weitere Umweltschutzorganisationen planen im Rahmen des Anti-Atom-Gipfels Aktionen vor Ort wie das Nachbauen eines Reaktors und den Test, ob dieser einem simulierten Erdbeben standhalten würde. Experten, wie auch der ehemalige Vorsitzende der Atomaufsichtsbehörde Bulgariens, Georgi Kastchiev, warnte noch einmal vor den nuklearen Risiken des Projekts. Schon die kommunistische Regierung hätten das Projekt damals geplant und dabei die seismische Gefährdung für bedenklich gehalten. Falls die bulgarische Regierung Belene doch an das Stromnetz anschließen würde, wäre es wieder ein russischer Reaktor, mit dessen Betrieb RWE keine Erfahrung hat und der in keinem EU-Land genehmigt ist. Zur Entsorgung für die abgebrannten Brennstäbe hat Bulgarien den Abtransport derselben nach Russland vorgesehen. "Angesichts der katastrophalen Verhältnisse der Nuklearindustrie an Standorten wie z. B. Mayak wäre dies eine skandalöse Vorgangsweise. Die Atombaustelle liegt in einem Erdbeben-Gebiet. Die Sicherheit für die Menschen und die Umwelt kann nicht garantiert werden", Lorenz abschließend.

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