Rotes Kreuz: Weltweit zwei Millionen "Verschwundene"

Am 30. August ist Welttag der Verschwundenen

Wien (Rotes Kreuz) - "Die Ungewissheit ist eine Folter", sagt die Argentinierin María Acosta. 1977 stürmten bewaffnete Männer das Haus ihrer Eltern und nahmen Marías Schwester mit. Seither ist sie vermisst.
Dieses Schicksal teilen weltweit mehr als zwei Millionen Menschen. Sie gelten als verschwunden. "Unter 'Verschwinden’ versteht man die unbegründete Festnahme von Menschen durch staatliche Organe oder bewaffnete Kämpfer", erklärt Wolfgang Kopetzky, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes anlässlich des Tages der Verschwundenen. "Oft werden die 'Verschwundenen’ einfach ermordet, in anderen Fällen an einem unbekannten Ort festgehalten. Jedenfalls ist das Vorgehen gegen Zivilisten ein Bruch des internationalen humanitären Völkerrechts."
In den meisten Krisengebieten und in zahlreichen Flüchtlingslagern können sich Menschen, die ihre Angehörigen vermissen, an den Suchdienst des Roten Kreuzes wenden. Die Helfer können das weltumspannende Netzwerk der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zur Auffindung von Vermissten und "Verschwundenen" nutzen. Allein das Österreichische Rote Kreuz bearbeitet mehr als 700 Suchfälle jährlich.
"Heute sind es in erster Linie Menschen aus Tschetschenien, die uns vom 'Verschwinden’ ihrer Angehörigen berichten", sagt Kopetzky. "Aber unsere Fälle reichen zurück bis zum Zweiten Weltkrieg." Für Verwandte bedeutet das "Verschwinden" unermessliche psychische Qualen. "Wenn ein Angehöriger stirbt, beginnt eine Zeit tiefer Trauer, aber irgendwann geht das Leben weiter", schildert eine Mutter aus Bosnien, die seit 1995 ihren Sohn vermisst. "Wenn ein Angehöriger einfach verschwindet - das ist eine tägliche Qual. Ich kann an nichts anderes denken."

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