Volkshilfe: In der Schulverwaltung sparen, nicht bei den Kindern!

Volkshilfe Österreich Präsident Josef Weidenholzer fordert Schulreformen

Wien (OTS) - In den nächsten zwei Wochen beginnt für 84.000 TaferlklasslerInnen ein neuer Lebensabschnitt. Jetzt beginnen die Verhandlungen über die Schulreform, die diese Kinder noch betreffen wird. Während die Politik in erster Linie über Einsparungspotentiale in der Schulverwaltung diskutiert, kämpfen viele Eltern zu Schulanfang mit ganz konkreten finanziellen Problemen:
Durchschnittlich 112 EUR kostet nach einer jüngst veröffentlichten Studie der Arbeiterkammer ein Startpaket (21 Produkte) für ErstklasslerInnen. Für viele Eltern eine Investition, die sie sich kaum leisten können. Mit Farbstiften, Füllfeder und Federpennal fangen die Kosten aber erst an: Es folgen Beiträge für Wandertage, Bastelmaterial, Sportwochen und vieles mehr. Nachhilfeunterricht, für den in Österreich jährlich 130 Millionen EUR ausgegeben werden, ist für sozial schwache Familien ohnehin kaum leistbar.

Wichtige Fragen müssen beantwortet werden

"Bei der Schulreform muss es deshalb neben den längst notwendigen Verwaltungseinsparungen vor allem auch um inhaltliche Reformen gehen:
Wie lange will Österreich noch an der frühen Selektion ab dem 10. Lebensjahr festhalten? Wie lange braucht es noch, bis es flächendeckende Ganztagsschulen gibt? Wie können Kinder aus sozial schwachen und so genannten bildungsfernen Gruppen bessere Chancen erhalten? Wie können Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund entsprechend gefördert werden", stellt Univ. Prof. Dr. Josef Weidenholzer, Präsident der Volkshilfe Österreich, wichtige Fragen. Denn in Österreich gilt immer noch: Wer arme Eltern hat, hat schlechte Chancen auf eine gute Ausbildung. Das derzeitige österreichische Schulsystem ist ein System der frühzeitigen sozialen Auslese. Wer eine schlechte Ausbildung hat, hat später die schlechteren Jobs, verdient weniger und ist häufiger von Arbeitslosigkeit bedroht. 40% der Menschen, die im ersten Halbjahr 2009 ihren Job verloren haben, hatten lediglich einen Pflichtschulabschluss. Dies verlautbarte Bundesminister Rudolf Hundstorfer beim heurigen "Forum Alpbach".

Flächendeckende Ganztagsschulen

Die Volkshilfe fordert flächendeckende Ganztagsschulen im gesamten Pflichtschulbereich, damit in der Schule gelernt werden kann und so Benachteiligungen (enger Wohnraum, wenig Unterstützung durch die Eltern, kein Geld für Nachhilfe) ausgeglichen werden können. Weiters wäre eine gemeinsame Schule der 10-14-jährigen mit individuellen Fördermöglichkeiten in heterogenen Gruppen nach allen internationalen Erfahrungen längst fällig. "Die Initiativen der Unterrichtsministerin betreffend die "Neue Mittelschule" sind der richtige Weg. Hier ist die ÖVP gefordert, ihren Widerstand endlich augzugeben", sagt Weidenholzer. "Einsparungen in der Schulverwaltung sind notwendig, nicht gespart werden darf aber bei Bildungsreformen. Denn Investitionen in die Bildung, sind Investitionen in die Zukunft und wirken nachhaltige armutsvermeidend", so Weidenolzer.

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