Angebot und Nutzung der direkten Forschungsförderung

Wien (WIFO) - Um die unterschiedlichen Anforderungen und Zielgruppen der Forschungs-, Technologie- und Innovationsförderung (FTI-Förderung) insgesamt sinnvoll ansprechen zu können, bedarf es verschiedener Instrumente. Aufgrund der unterschiedlichen Förderungslogiken und weil versucht wird, anforderungs- und zielgruppenspezifische Angebote zu entwickeln, ergeben sich einerseits Überlappungen von Förderungsprogrammen; andererseits wird den Zielgruppen damit ein System geboten, das durch Vielfalt gekennzeichnet ist und Anreize bietet, die zum Teil konkurrieren und bisher wenig abgestimmt scheinen. Die Nutzer der FTI Förderung reagieren umgekehrt relativ wenig spezifisch auf das vielfältige Angebot direkter FTI-Förderung.

Das sind einige der Ergebnisse der Analyse der FTI-Förderungen des Bundes durch KMU Forschung Austria (KMFA) im Rahmen der Systemevaluierung der österreichischen Forschungsförderung und -finanzierung, die das WIFO gemeinsam mit convelop, KMFA und Prognos AG für das Bundesministerium für Verkehr, Technologie und Innovation und das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend durchgeführt hat. KMFA untersuchte in einem Teilprojekt der Systemevaluierung 77 Förderungsprogramme der direkten Forschungsförderung.

Wie die Analyse zeigt, sind einerseits unterschiedliche Instrumente der direkten FTI-Förderung notwendig und sinnvoll, um die Zielgruppen und Anforderungen entsprechend ansprechen zu können. Zur Förderung und Mobilisierung von Unternehmen ohne FTI-Erfahrung werden sich andere Instrumente eignen als zur Förderung von Unternehmen, die bereits systematisch und kontinuierlich Forschung und Entwicklung betreiben und dazu motiviert werden sollen, das Anspruchsniveau zu heben und/oder mehr in Kooperation mit Forschungseinrichtungen zu forschen.

In Österreich hat sich in den letzten Jahren ein sehr ausdifferenziertes System an Förderungsprogrammen entwickelt. Weil FTI-Förderungsprogramme nach verschiedenen Aspekten differenziert werden können (thematische Orientierung, Behebung von Strukturdefiziten, zielgruppenspezifische Definition usw.), wurden eine Vielzahl von Förderungen geschaffen, die einander teilweise überlappen.

Die Analyse des Zusammenspiels zwischen der themenorientierten und der themenfreien FTI-Förderung des Bundes zeigt u. a., dass manche Technologiefelder, die von themenorientierten Programmen angesprochen werden, mehr Förderung aus themenfreien Initiativen beziehen. Die Zielgruppen mancher Technologiebereiche scheinen zwischen den Förderungsangeboten zu jenen mit höheren Förderungsquoten zu "wandern"; einige Technologiebereiche erhalten Förderungen wiederum fast nur in den spezifisch auf sie zugeschnittenen Programmen. Auch die Analyse aus der Perspektive der Nutzer weist auf opportunistisches Verhalten der Unternehmen hin: Förderungsanträge werden bevorzugt in jenen Programmen eingereicht, deren Bewilligungsquote, Förderungsmittel und Förderungsquote hoch sind. Ein großer Teil der Unternehmen (und ein noch größerer der Forschungseinrichtungen) reicht systematisch Anträge bei verschiedenen Programmen ein, auch bei verschiedenen Agenturen.

Die spezifische Behandlung von Themen und Zielgruppen ist demnach für die Nutzung und den Zugang der Zielgruppen vielleicht weniger relevant als bei der Konzeption der Maßnahmen angenommen. Durch diese spezifischen, nicht systematisch aufeinander abgestimmten Förderungsangebote werden konkurrierende Anreize an die Zielgruppen vermittelt. Unklar ist, ob diese Konkurrenz zielführend ist.

Unklar ist auch, welche Strategien konkret hinter der systematischen Einreichung von Anträgen bei verschiedenen Förderungsinitiativen stehen. Folgen sie der Förderungslogik, FTI-Einsteiger weiterzuleiten zum Unternehmen mit FTI-Erfahrung, das systematisch und auf hohem Niveau F&E betreibt und innoviert, oder konterkarieren sie diese? Eine tiefergehende Untersuchung des Antragsverhaltens sowie der Migration der Zielgruppen durch die verschiedenen Förderungsprogramme könnte darüber Aufschluss geben.

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 8/2009
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=36367&typeid=8&
display_mode=2)

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Dr. Sabine Mayer
KMU Forschung Austria
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