Forum Alpbach: Gesundheit zwischen Staat und Privat - Experten: "Wachstums- und Hoffnungsmarkt"

Gesundheitswirtschaft auch in Krisenzeiten Wachstums- und Beschäftigungsmotor

Wien (OTS/PWK618) - Rund 40 Prozent der
Gesundheits-Dienstleistungen in Österreich werden privat finanziert, das ergibt eine Untersuchung von Roland Berger zum Gesundheitsmarkt in Österreich. "Dieser beträchtliche Anteil ist ein deutliches Signal, wie wichtig die Gesundheit den Menschen ist", sagte Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozial- und Gesundheitspolitik der WKÖ, am Montag Abend in Alpbach bei der Diskussionsveranstaltung "Wachstumsmarkt Gesundheit zwischen Staat und Privat". Ausdrücklich hob er hervor, dass in der Diskussion weniger die Abgrenzung oder gar das Auseinanderdividieren von öffentlicher und privater Gesundheitsvorsorge relevant seien: "Wichtig ist, dass die Menschen für ihr Geld eine optimale Versorgung mit Gesundheits-Dienstleistungen bekommen." Denn bei allen Unterschieden handle es sich beim Gesundheitsbereich auch um einen Markt, wobei der Staat die Rahmenbedingungen vorgeben soll. Er plädierte dafür, mehr Vertrauen in den Zukunftsmarkt Gesundheit zu setzen und dass auch privaten Anbietern in diesem Bereich endlich zugetraut werden soll, zumindest gleich gut oder besser und vor allem gleichberechtigt agieren zu können.

Aus dem Alltag eines privaten Gesundheits-Dienstleistungsunternehmens berichtete Julian Hadschieff, Obmann des Fachverbandes der privaten Krankenanstalten und der Kurbetriebe: "Private Gesundheitsanbieter bekommen für die selbe Leistung weniger Geld als Einrichtungen der öffentlichen Hand." Er plädierte massiv für die Herstellung der Gleichbehandlung und zeigte sich überzeugt: "Wenn für gleiche Leistungen gleich viel Geld bezahlt wird, wird es auch Privaten möglich sein, höchstentwickelte medizinische Leistungen zu erbringen und anzubieten." Sein Fazit:
"Menschen wollen für das Geld, das sie ausgeben, bestmögliche Dienstleistungen. Leistungen müssen direkt bei den Patienten ankommen und dürfen nicht im System verpuffen." Daher solle derjenige Anbieter, der zum gleichen Preis die beste und effizienteste Gesundheits-Dienstleistung erbringt, zum Zuge kommen: "Private wären in der Lage, mehr Leistungen zu erbringen, wenn sie auch die Chance dafür erhalten", deponierte Hadschieff bei der gut besuchten Veranstaltung.

Weil Gesundheit in gewissen Bereichen ein Luxusgut sei, wie es Gesundheitsökonomin Maria Hofmarcher vom Institut für Höhere Studien (IHS) formulierte, führte Alois Guger vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) aus, dass eine Verbreiterung der Beitragsbasis in naher Zukunft unerlässlich sei. Vor dem Hintergrund sinkender Lohn- und Beschäftigungsquoten plädierte er für eine Vermögensbesteuerung. Und er wollte auch die Politik in die Pflicht genommen wissen. "Die Menschen sind bereit, mehr zu zahlen", die Politik sei aber nicht gewillt, mehr Geld in die Hand zu nehmen.

Kurt Grünwald, Gesundheitssprecher der Grünen, sprach sich dafür aus, dass auch private Einrichtungen den gleichen Standards unterworfen sein müssten wie jene der öffentlichen Hand." "Das ist schon immer der Fall gewesen", entgegnete Hadschieff. Und Grünwald weiter: "Es ist nicht wichtig, wieviel ein Medikament kostet, sondern dass und wie es wirkt."

"Wir als Pharma-Industrie sind ganz massiv daran interessiert, dass es zu einer Effizienzsteigerung im Gesundheitssystem kommt", deponierte Christoph Sauermann, Präsident des Forums der forschenden pharmazeutischen Industrie (FOPI) vom Podium aus. Es sei ausreichend Geld im Gesundheitswesen vorhanden, aber es werde falsch eingesetzt. Die Herausforderung für Forschung, Entwicklung und Produktion sei es, innovative Behandlungsmethoden und Medikamente zu entwickeln, die auch für die Menschen leistbar sind. Er forderte massiv die Finanzierung von Gesundheits-Dienstleistungen aus einer Hand.

Einig waren sich alle Experten, dass der österreichische Gesundheitsmarkt Wachstums- und Hoffnungsmarkt ist: Neue Geschäftsfelder wie Erforschung und Entwicklung sowie neue Berufsbilder böten ein breites Betätigungsfeld. "Wenn wir geschickt sind, können wir die Chancen für Österreich nützen und unser Land als Gesundheitsland Nummer 1 in Europa positionieren", unterstrich WKÖ-Gesundheits-Experte Gleitsmann.

Dieses Ziel verfolgt auch die neue "Plattform Gesundheitswirtschaft Österreich" (www.wirmachengesundheit.at). Sie will den Begriff "Gesundheit" nachhaltig positiv besetzen und das bisherigen Neben- oder gar Gegeneinander aller Player im heimischen Gesundheitswesen zu einem Miteinander wandeln. Dabei bekennt sich die Initiative zu mehr Markt und mehr Wettbewerb im Gesundheitsbereich. (JR)

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