DER STANDARD-Kommentar "Flöhe in der Koalition" von Michael Völker

Ausgabe vom 24.8.2009

Wien (OTS) - Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flöhen auf. Diese an sich nicht ganz neue Erfahrung macht jetzt auch der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber, der eine Koalition mit den Freiheitlichen pflegt. Zum Wahlkampfauftakt - die Vorarlberger wählen am 20. September - hetzte der ÖVP-Koalitionspartner, Landesrat und FPÖ-Spitzenkandidat Dieter Egger, gegen den Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, diesen "Exil-Juden aus Amerika in seinem hochsubventionierten Museum".
Nach Rot und Grün fand auch der schwarze Landeshauptmann zu seiner gerechten Empörung und distanzierte sich von der Äußerung, die "antisemitisch interpretierbar" sei. Egger müsse diese zurücknehmen, sonst würden sie nicht wieder "gemeinsam auf der Regierungsbank sitzen", drohte Sausgruber. Es gebe noch weit mehr, was Egger zurücknehmen könnte: Er und seine Partei hetzen nicht nur gegen Juden, sie hetzen gegen Muslime, gegen Türken, im Grunde gegen alle, die anders, die nicht "heimisch" sind.
Und das ist ja nicht neu. Freiheitliche sind antisemitisch und rassistisch, sie sind das in Wien und Vorarlberg, manchmal vorsichtiger, manchmal direkter. Scheinheilig ist es, so zu tun, als wüsste man das nicht. Wer mit den Rechtsaußen der FPÖ kuschelt, trägt dazu bei, deren Geisteshaltung und Menschenverachtung salonfähig zu machen. Das gilt besonders für Herrn Sausgruber, das gilt für die ÖVP, das gilt aber auch für die SPÖ, die mit der FPÖ politische Geschäfte macht und sich dann wundert, wenn wieder einer rülpst.

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